Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Sanghatag

Einfach warten

Wirf eine Münze in den Fluss und suche nach ihr.
Dogen Zenji


Eine schöne Woche mit Alan Hozan Senauke liegt hinter uns, die ihren Abschluss in einem Sesshin mit anschließender Jukai-Zeremonie fand. Es war gleichzeitig auch die Gelegenheit, unser Zendo samt dem fast fertigen Teeraum durch viele Bodhisattva-Füße einzuweihen und auch ein guter Anlass, fast alle verfügbaren, wunderschönen Oryoki-Bänkchen zu benutzen.
Vielen Dank für Euer Kommen!

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Hozan sprach unter anderem über Shunryu Suzuki Roshis Satz „Unsere Probleme sind unsere wahren Schätze“.
Auf die Frage einer Teilnehmerin hin, was denn zu tun sei, wenn gerade keine Probleme bestünden, antwortete Hozan: „Dann warte einfach ein bisschen.“
Das war keineswegs ironisch gemeint, obgleich es meistens nicht allzu lange dauert, bis nach einer Phase des ruhigen Fahrwassers neue Wogen erscheinen.
Viel an unserer Praxis besteht aus Warten. Geduld, das dritte Paramita nach Großzügigkeit und den Grundsätzen für ethisches Handeln, steht nicht ohne Grund in der Mitte der „sechs Vollkommenheiten“ - vor den eher aktiven Tugenden wie „freudige Anstrengung“, „Konzentration“ und „Weisheit“.


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Warten bedeutet: aushalten. Nicht Ausschau halten und auf etwas „Besseres“ hoffen, nicht hinwegträumen zu „Schönerem“, nicht aufstehen und davonrennen, sondern dabeibleiben. Bleiben und schauen. Sein, mit dem, was gerade ist. Auch wenn wir kalte Füße bekommen. Weiterschauen. Warten. Lauschen. Das ist Zazen.
Und zwar, ob es jenem Teil in uns, der es gerne ein bisschen anders hätte, gefällt oder nicht. Es wird ihm nie gefallen.
Hier setzt unsere Übung an - jene Orte zu besuchen, die wir scheuen und lieber verdecken möchten. Dieser Versuch an sich ist Illusion und Bumerang zugleich. Illusion, weil nichts in unserer Übung „privat“ bleibt. Bumerang, weil jene Manöver des Wegschauens nur von kurzer Wirkung sind und wir immer stärkere Anstrengungen unternehmen müssen, um hinweg zu fegen, was wir tunlichst übersehen möchten.

Wenn wir in einer Sangha üben, wird das ohnehin nicht gelingen, denn so sehr wir uns auch anstrengen und Umwege in Kauf nehmen: wir werden gesehen.
Alles in uns kommt hier zu Tage. Das ist nicht enthüllend oder peinlich, sondern es bedeutet unsere große Chance. Die Chance, „nicht länger zurückzuhalten“, sondern diese Energie für etwas gesünderes zu benutzen: alles an uns miteinzuschließen und bereit sein, die Gebiete jenseits unserer Vorlieben und Befindlichkeiten zu betreten.


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Unsere Probleme und Schwächen, unsere Schwierigkeiten, werden durch unser Zazen nicht völlig verschwinden. Einige vielleicht. Neue werden hinzukommen. Es kann gar nicht das Ziel der Praxis sein, ein Leben ohne sie zu führen. Vielmehr ist es unser Ziel, nicht länger vorzugeben oder zurückzuhalten, nicht länger zu verbergen. Auf Dauer ist dies enorm anstrengend. Viel besser können wir lernen, wie wir mit all dem üben.
Selbst die dunkelsten Ecken werden etwas heller, wenn wir sie unter die Lupe nehmen. Selbst die unangenehmsten Eigenschaften unserer selbst sehen etwas freundlicher aus, wenn wir dahinter zu blicken wagen - auf ihre Ursachen, auf die Ängste, die ihnen zugrunde liegen.

In diesem Sangha-Juwel wird uns in einem geschützten Rahmen die Gelegenheit gegeben, zu sein, wie wir sind - sofern wir dies erlauben. Das ist Erleichterung und Arbeitspensum zugleich. Erleichterung, weil wir in Ruhe gelassen werden - im Unterschied zur Arbeits- oder Familienwelt.

Arbeitspensum, weil wir zwar innerhalb einer Sangha üben, aber über lange Strecken hinweg mit uns alleine sind. Wir, die Wand - wenig dazwischen. Ich komme nicht umhin, wenn ich denn irgendwann des Träumens müde geworden bin, mich mit mir selbst zu beschäftigen. Für viele von uns zum ersten Mal.
Es ist eines der schwersten Dinge, mit mir alleine zu sein und zu erkennen, dass die meisten unserer inneren Berge von uns selbst errichtet wurden.

Auch hierin besteht unser Warten, unser Verweilen, unser Aushalten. Dann wird die Münze ganz von selbst zu uns kommen. Und der Fluss, er wird gar nicht so bitterkalt und gefährlich sein, wie wir es von unserem Versteck aus immer vermutet haben.

Wenn ihr geduldig genug seid, wenn ihr stark genug seid, eure Probleme anzunehmen, dann könnt ihr ruhig und friedlich sitzen, im Vertrauen auf Buddha und im Vertrauen auf euer eigenes Sein...
Shunryu Suzuki

Gassho,
Juen



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Von reisenden Bergen und singenden Tälern

„Unser Zazen - ach! Mal so, mal so. Wie eine Melodie. Doch das alleine ist es keineswegs. In Wirklichkeit geht es in unserer Übung nur um eines: wie Du es lebst, Dein Leben“.
Leise sagt er dies, fast verschwindet es in der hochgespannten Schleswiger Holzvertäfelung über uns, welche die alte lächelnde Sonne in an diesem schönen Sommerabend besonders sanft in ihrer Mitte wiegt.

Es gibt Begegnungen, die lange anreisen und wenn sie dann endlich zusammenfinden, scheinen sie so natürlich und unaufgeregt, als ob sie in Wirklichkeit bereits vor vielen Jahren begonnen hätten und ständig gepflegt worden seien. Dharma-Verbindungen gehören hierzu, denn wenn wir uns im Dharma finden, benötigen wir keine lange Vorlaufphase oder Findung. Wir kommen zusammen in einer gemeinsamen Sprache, die viel älter ist als wir selbst und die keine Unterschiede kennt wie zum Beispiel Land oder Herkunft.

So war es nicht weiter verwunderlich, dass unsere gemeinsame Woche mit Alan Hozan Senauke eine besonders schöne wurde, tief eingebettet in der Stille unserer Übung und doch voller Überraschungen und Anregungen. Neben gemeinsamem Zazen war es vor allem der persönliche Austausch, der uns in Erinnerung bleiben wird und natürlich Zaike Tokudo (Laienordination/ Jukai-Zeremonie) für jenen wunderbaren Dharma-Garten, in dem wir alle gemeinsam mit Wasser und Wolken, Sonne und Luft gedeihen können.

Gassho,
Juen




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It‘s all in the mind...

Im Anschluss an unseren Sanghatag sitzen wir einander gegenüber und signieren ein Buch, das irgendwie auch meinen Namen auf dem Buchdeckel trägt. „Ein Versehen“, denke ich, beinahe erschrocken und betrachte den Stift wie einen völligen Neuling. Ein Versehen, fast so wie die sinkende Sonne, welche durch ihr Schattenspiel die Anzahl der Wartenden zu einer großen Versammlung erhebt.
Für einen kurzen Moment erinnere ich meine ersten Fragen, damals vor etwa fünf Jahren, über einen Mönch namens Ryokan. In einer kleinen Küche an einem wackeligen Tisch saßen wir einander gegenüber und während ich wirklich nur die Übersetzung von ein paar Gedichten im Kopf hatte, schauten mich jene unergründlichen Augen kurz an und verkündeten beim Abräumen der Kaffeetassen scheinbar beiläufig: „Let‘s make a book out of this“.
Immerhin ahnte ich damals schon, dass ein Ablehnen genauso wenig hilfreich wäre wie ein Ausmalen der damit verbundenen Arbeit.
Ungläubig verfolgte ich in den kommenden Monaten die ankommende Ryokan-Literatur, nur ihre schönen Stempel deuteten auf den jeweiligen Aufenthaltsort des vielreisenden Absenders. Fortan, in jeder freien Minute, gab es Gedichte, gab es Fragestunden, oft mit erheblicher Zeitverschiebung, die ihn ohnehin nie zu stören scheint.
Und doch ist diese kleine Episode kennzeichnend für vieles, was Kazuaki Tanahashi ausmacht: Grenzenlosigkeit, Unerschrockenheit und eine schier umwerfende, eigentlich eher langsame, aber unerschütterlich konstante Geschwindigkeit, die keinerlei Schranken zu kennen scheint: „It‘s all in the mind...“.
Juen

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Wolke oder Wasser?

Am letzten Sanghatag haben wir uns noch einmal mit dem ersten Abschnitt des Satipatthana-Sutras beschäftigt, welches die besondere Achtsamkeit gegenüber dem Körper betont.
Jede Meditation in allen Traditionen beginnt mit dem Körper. Während uns zum Beispiel unsere Wahrnehmung sagt „was ich bin“, unser Gefühle sagen „wie ich bin“, gibt uns unser Körper darüber Aufschluss „wo ich bin“. Die Betonung des Körpers als erstem Ausgangspunkt aller meditativen Übungsformen liegt auch darin begründet, dass unsere Körper sich immer im gegenwärtigen Augenblick befinden. Ohne zumindest eine gewisse Präsenz ihm gegenüber, seinem Innenleben, seinem Verhältnis zum Raum und der Außenwelt insgesamt, seinem Wandel, wird unser Zazen, wird unser Bewusstsein, nicht wirklich leicht und frei werden können.
Im Satipatthana-Sutra beschreibt der Buddha zunächst die Konzentration auf den Atem und seine Dauer - ist er lang oder kurz? Hierzu benutzt er das Gleichnis vom Drechsler, der genau weiß, wann er eine kurze oder lange Drehung macht. Wenn wir dem Atem folgen, sind wir entspannt, sorglos. Getragen von unserem Atem können wir immer wieder zurückkehren und mit dem Leben, dem des jetzigen Momentes, erneut in Berührung kommen. Der Atem ist das Bindeglied zwischen Körper und Gedanken. Diese fragile und doch so beständige Säule vermag, was zahllose Therapeuten, Bücher und manchmal sogar die Musik nur mühevoll schaffen: uns auf einfache, schlichte und vor allem schnelle Art und Weise zu harmonisieren. Komplett. Eins mit dem Atem. Eins mit dem Körper. Eins.
Diese Einheit bildet eine Grundvoraussetzung für das, was der Buddha in den nächsten Schritten beschreibt: Kontakt zur Außenwelt. Hier angeführt durch Achtsamkeit im Bezug auf die Körperhaltungen, unser Tun, unsere einzelnen Körperteile.
Im vorletzten Teil wird dies in Form der Elemente in Beziehung zum Universum gesetzt: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Bewusstsein. Wo in meinem Körper spüre ich Festigkeit? Was in mir hat keine Form? Wo liegen die Energiezentren? Was in mir befindet sich in ständiger Bewegung? Und die Frage aller Fragen - ob fest oder flüssig, ob bewegt oder unbewegt: wer bin ich?

Der Gouverneur fragte den Zen-Lehrer Yakusan Igen: „Was ist der Weg?“
Yakusan deutete nach oben. Dann deutete er nach unten.
Der Gouverneur sagte: „Ich verstehe nicht“.
Yakusan sagte: „Wolken im Himmel, Wasser in einem Glas.“
Der Gouverneur verbeugte sich tief.


Gassho, Juen
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Sitz still und beweg Dich!

Im Rahmen des letzten Sanghatages haben wir begonnen, uns mit dem Satipatthana-Sutra zu beschäftigen, welches die Gegenwart von Achtsamkeit behandelt. Unter den vier Gebieten, auf denen wir Achtsamkeit üben können, findet als erstes die Achtsamkeit um den eigenen Körper Erwähnung.

Woher wissen wir, dass da ein Körper sitzt, der atmet? Wo empfinde ich im jeweiligen Augenblick Wärme, Kälte, Berührung, Druck? Welche Teile meines Körpers befinden sich in Bewegung?
Kann ich beim Essen die Achtsamkeit beim Duft der Speisen, bei ihrem Anblick, beim Kauen, bei der sich verändernden Beschaffenheit des Speisebreis halten? Kann ich meine Nahrung, auch im Bezug auf die Wahl meiner Kost und ihr Volumen, als Unterstützung für das betrachten, was mir in meinem Leben am Wichtigsten ist? Kann ich genießen, mit allen Sinnen und dennoch nicht mehr nehmen, als gesund für mich ist?

Jede Form der Meditation beginnt mit dem Körper. Ihn in all seinen Funktionen und Wahrnehmungen als solchen beobachtend zu begleiten, ist für junge Anfänger wie für etwas Erfahrenere eine gute Übung.

Immer wieder begegnen wir, gerade auch beim längeren Sitzen wie an den Sanghatagen, körperlichen Schmerzen. Wie wir hiermit umgehe lernen, kann uns auch in anderen Bereichen helfen:

... die meisten Arten von körperlichen Schmerzen, mit denen wir es bei der Meditation zu tun haben, stellen keine Hinweise auf eine körperliche Ursache dar. Sie sind vielmehr schmerzhafte Darstellungsformen unseres emotionalen, psychischen und spirituellen Fehlverhaltens. ... Es sind jene Bereiche des Körpers, die sich in schmerzhaften Situationen immer wieder verkrampft haben, um uns vor den unvermeidlichen Schwierigkeiten im Leben zu schützen... Wenn uns lange aufgebaute Muskelverspannungen bewusst werden, können wir auch Gefühle, Erinnerungen oder Bilder entdecken, die mit den jeweiligen verkrampften Bereichen zu tun haben.

Jack Kornfield, “A Path With Heart“


Bedeutet dies, dass wir nach einigen Jahren bis Jahrzehnten schmerzfrei sitzen können (müssten)?
Die meisten werden feststellen, dass dem nicht so ist. Haben wir etwas Wesentliches verpasst oder gar falsch gemacht, wenn wir „immer noch“ mit Schmerzen beim Sitzen zu kämpfen haben?

Sicherlich entspricht es der Erfahrung der meisten, dass sich im Laufe regelmäßiger Praxis muskuläre Spannungen lösen. Wir halten aus während unseres stillen Sitzens und schon allein dadurch tritt eine gewisse muskuläre Entspannung ein, einfach durch eine kontinuierliche „Druckausübung“ in Form von Aufmerksamkeit.
Ferner reisen wir gerade in den ersten Jahren häufig zurück. Erinnerungen jeder Art, die nicht immer nur traumatisch sein müssen, kommen an die Oberfläche. Sie möchten angeschaut und anerkannt werden und legen sich danach entspannt zurück, weil wir sie in den Kreis der Achtsamkeit aufgenommen haben.
So scheinbar mühelos und entspannt es aussieht: beim Zazen werden zahlreiche Muskeln beübt, insbesondere im Unterbauch und in der Lendenwirbelsäule. Durch gute Atmung können wir lernen, diesen Bereich wechselweise anzuspannen und zu entspannen, was letztendlich zu einer Kräftigung der Muskulatur, zu besserer Haltung und einem freierem Fluss von Energien führen wird.

et incarnatus est...
Es ist nicht einfach, als Mensch zu leben: im Einklang mit unserer Umwelt und unserem Körper.
Reines Sitzen birgt die Gefahr, sich darin zu verlieren. Körperliche Bewegung kann zu einer verbesserten Wahrnehmung beitragen und dazu führen, dass wir mehr von dem spüren, was in uns vor sich geht und unseren Wunsch nach freiem Austausch zwischen „drinnen“ und „draußen“ erheblich fördern. Ein beübter Muskel kann leichter auf die wechselnden Anforderungen, die an ihn gestellt werden, antworten. Ab einem gewissen Trainingsgrad werden sich dann auch Anspannungen, die primär im Kopf entstanden sind, lösen.

Wir haben sie nun einmal, diese Form und die Fähigkeit der Unterscheidung zwischen „hier und dort“.
Beides zusammenzufügen innerhalb dessen, was wir unser „ich“ nennen, ist keine leichte Aufgabe. Diese Friedensarbeit wird uns umso besser gelingen, je mehr wir ein gutes Gleichgewicht zwischen Ruhe und Bewegung aufrechterhalten. Nur dann werden wir sie letztlich treffen können: die tanzende Steinfrau, den singenden Holzmann - die unsterbliche Person in dieser Hütte, hier und jetzt.

Gassho, Juen
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Ein Zen-Berg zu Besuch an der Küste: Hozan Alan Senauke

Ein letzter Blick zurück: Fenster geputzt, Vorgarten geharkt, Essensliste am Kühlschrank, Fragen im Kopf - wir brausen los, winken erleichtert bei der Arbeitsabzweigung und fahren weiter, immer weiter, bis in die an diesem Montagmorgen sonnige Stadt an der Alster. Dort parken wir vor einem ansehlichen Hotel am Jungfernstieg. Ich gehe in die weitläufige Halle, schaue mich um - und halte inne. Etwas ist anders als in den sich oft verloren anfühlenden Eingangsbereichen eines Großstadthotels - etwas Weiches, Samtenes liegt im Raum.
An einem Tisch unterhält sich eine Gruppe tibetanischer Mönche mit einigen Laien. Daneben beherbergt ein riesigen Ledersessel einen älteren Herrn mit buschigen Augenbrauen, der sein I-Pad bearbeitet. „Oh“ sagt er zur Begrüßung. „Weißt Du, seine Heiligkeit ist gerade abgereist.“ Wir verbeugen uns voreinander, was sich in dieser Umgebung keineswegs seltsam anfühlt, und gehen zum Auto.
„Wo fahren wir eigentlich hin?“ fragt Alan beiläufig, während wir das Gepäck verstauen. Wir beide schauen uns an und finden keine Antwort.

Zuhause angekommen, wird zunächst einmal alles einer Generalinspektion unterworfen. Nach den Verbeugungen im Zendo - „Hmm, guter Raum“ - und unserem Bodhi, den der Burmabereiste sachkundig mustert, haben es Alan Senauke besonders unsere Instrumente angetan. Noch vor allem anderen werden Klangton und -Farbe der Doan-Instrumente einer musikalischen Gehörprobe unterzogen, wobei sogar die Brille aufgesetzt werden muss, um die jeweilige Herkunft der einzelnen Bestandteile unserer Rezitation zu mustern. Zufrieden widmet er sich danach Zazen-Glocke, Han und dem Rest des Hauses.

Es folgten dreieinhalb gefüllte Tage mit morgendlichem Zazen, Besuchen bei Sangha-Mitgliedern, Erkundungsfahrten in unsere schöne Umgebung, inklusive der Zazen-Räume in Schleswig sowie zwei Sangha-Abenden in Gettorf.
Alan Senauke, Vize-Abt des Berkeley-Zen Centers, dessen Dharma-Name „Form“ und „Leere“ vereint, ist ein traditionsbewusster Lehrer. Viele unserer Gespräche kreisten um die Herkunft unserer Praxis und deren mögliche Integrationswege in den westlichen Lebensraum. Seit über fünfundzwanzig Jahren lebt Alan mit seinem Lehrer, Sojun Mel Weitsman Roshi und deren Familien in diesem Zentrum. Mel Weitsman diente lange Jahre als Co-Abt des San Francisco-Zen Centers und gründete 1967 das Berkeley-Zen Center.
Unbenommen dieser alten Form des Miteinanders in der Übung und jahrzehntelanger Erfahrung im Dharma: wir konnten mehrfach seine kreative, sowohl praktische als auch sympathisch menschliche Art im Bezug auf die Interpretation von Dharma-Texten oder Zen-Formen zu bestaunen.
Genauso wahrt Alan in seiner Musik die Tradition, gibt ihr aber in seiner persönlichen Interpretation eine eigene Note und hält sie hiermit lebendig.

...Wenn der Weg dem Weg anvertraut wird, erlangen wir den Weg. Wenn wir den Weg erlangen, dann wird der Weg ohne Fehl dem Weg anvertraut.
...Wir schenken uns uns selbst und andere den anderen.

Dogen, Bodaisatta Shishobo

In unserer Übung werde ich selbst mir selbst geschenkt. Ohne Fehl, was auch bedeutet: mit allen Ecken und Kanten - wettergegerbt, gebraucht, mit einem Sprung versehen, unförmig.
So wie weder geben noch empfangen alleine ausreichend sind, ist es auch nicht genug, nur nach innen zu schauen. Schauen und Handeln sind eins - samana-arthata (pali) - doji (zusammen-arbeiten) bedeutet „nicht gegen andere zu sein, im Einklang mit sich und anderen zu leben.“ Es bedeutet auch: eins zu werden mit der Handlung, die ich gerade ausführe. Das schließt mein Versagen ebenso ein wie die Überwindung von Widerständen.
Die Übung besteht darin, wie ich gebe, wie ich schenke und was. Das ist meine Verantwortung als Mensch. Dies steht im Kern unserer Praxis.
Wir alle haben es letzte Woche gesehen.

Gassho,
Juen



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Sangha

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Hungrige Reiskuchen im gemalten Leben

Im Rahmen des letzten Sanghatages haben wir uns, neben einer Oyryoki-Auffrischung, mit Dogens Kapitel „Gabyo - gemalte Reiskuchen“ beschäftigt.
Alan Senauke, der uns kommenden Monat besuchen werden wird, möchte unter anderem gerne hierüber sprechen und so war dies eine Einführung in ein Kapitel, in dem sich Dogen unter anderem mit unserer Vorstellungskraft, Imagination und Kreativität beschäftigt.

Ein alter Buddha, Meister Kyogen Chikan, sagte:
„Das Malen eines Reiskuchens sättigt keinen Hunger“.


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Dieser Satz wird Kyogen Chikan (China, ca. 820-898) zugeschrieben und war zur damaligen Zeit recht bekannt. Kyogen, der durch den Fall fünf des Mumonkans vielleicht einigen vertraut ist, war ein bekannter Wissenschaftler. Zusammen mit seinem Dharma-Bruder Isan lernte er unter Hyakujo. Eines Tages konnte Kyogen, der sonst immer sehr wortgewandt gewesen war, auf folgende Frage Isans keine Antwort geben: „Was ist Dein wahres Ich - das Ich, welches es gab, bevor Du geboren wurdest, bevor Du Ost von West unterscheiden konntest?“
Kyogen zermarterte sich den Kopf und schlug alle möglichen Antworten vor, die Isan allesamt zurückwies. Schlussendlich gab Kyogen auf und bat Isan, ihm bitte die richtige Antwort mitzuteilen.
Isan aber antwortete: „Was ich sage, gehört zu meinem eigenen Verständnis. Wie kann es Deinem geistigen Auge nützen?“
Kyogen vertiefte sich in alle seine Bücher und Notizen, welche er sich auf seiner Wanderschaft bei den Lehrern aller damals vorhandenen Zen-Schulen gemacht hatte. Nirgendwo war eine Antwort auf diese Frage zu finden.
Da sagte er seufzend zu sich selbst: „Du kannst einen leeren Magen nicht mit Bildern von Reiskuchen füllen“.
Er packte seine Mönchsrobe zusammen, verbrannte alle seine Bücher, verließ Isan tieftraurig und heuerte als Friedhofswärter an.
Als er eines Tages die Wege fegte, traf ein Stein auf einen Bambusstamm. Isan horchte auf, vergass sich für eine Weile, brach dann in schallendes Lachen aus und wurde erleuchtet. Zurück in seiner Hütte, zündete er Räucherstäbchen an und dankte Isan von ganzem Herzen - auch dafür, ihm damals keine Antwort gegeben zu haben.

Dann schrieb er folgenden Vers:

Ein Schlag - alles verschwunden
Was gibt es noch für mich zu üben?
Was gibt es noch für mich zu bändigen?
Alles und jedes bezeugt den Weg der Alten.
Ich bewege mich voller Leichtigkeit und verspüre keinerlei Trübsinn.
Wo auch immer ich bin, hinterlasse ich keine Spuren.
Erwachen ist jenseits von Form und Klang.
All jene, die befreit sind in den zehn Richtungen
nennen es das Unübertreffliche.


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Der Satz mit dem Reiskuchen kann so verstanden werden, dass Theorien zwar wichtig und gut sind, aber wenn sie ohne Einfluss auf unsere Übung bleiben, keinen wirklichen Wert haben. Das kann für das damals oft ausgiebig praktizierte Rezitieren von Sutren genauso zutreffen wie auf ein besonders starkes (und striktes) Hervorheben der Form, z.B. während einer buddhistischen Zeremonie, der Zen-Formen insgesamt.
Heute würden wir ergänzen: zu viele Bücher, zu viele „you-tubes“ über andere Zentren, etc. helfen uns nicht wirklich weiter. Auch in unserem Zen gibt es inzwischen eine „Szene“, in der wir uns, wie in allen anderen Verbänden auch, verstecken können.
Hinzu kommt noch eine gewisse „Zen-Sprache“, die es ermöglicht, stundenlang über die Leere allen Seins zu philosophieren ohne dass etwas weitergetragen wird.
Das ist eines der typischen Paradoxe im Zen: „Still sitzen und nochmals still sitzen“ sowie: „Sag endlich etwas und verleih Deinem Sitzen Ausdruck“.
Beides ist wichtig, muss geübt werden, zusammenfließen, sich gegenseitig bereichern und in kontinuierlichem Austausch miteinander stehen.

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Dogen wäre nicht Dogen, wenn er nicht den obigen Satz einfach weiter ausführen würde. In Gabyo erläutert Dogen, dass ein „gemalter Reiskuchen“ sehr wohl unseren Hunger sättigen kann. Für Dogen gibt es keinen Unterschied zwischen dem Bild des Reiskuchens und dem „echten“ Reiskuchen. Was sich in meinem Kopf befindet, ist genauso real wie das, was wir "Wirklichkeit" nennen.

Die Farben, die für Reiskuchen benutzt werden, sind die gleichen wie in der Malerei von Bergen und Flüssen. Um Berge und Flüsse zu malen, benötigt man blaugrüne und rote Farben. Um Reiskuchen zu malen, benötigt man Reismehl. Daher werden sie auf dieselbe Art gemalt und auf dieselbe Art untersucht.

Es gibt keine zwei Wirklichkeiten, eine im Kopf und eine in der Welt.
Drinnen ist draußen und draußen ist drinnen. Drinnen ist drinnen und draußen ist draußen.
Das setzt vieles in ein anderes Licht: unsere Wirklichkeit beginnt nicht allein mit unserer Wahrnehmung und schon gar nicht wird sie von außen an uns herangetragen.
Wir erschaffen sie fortwährend - mit unserer Intention, mit unseren Visionen, mit unserem Hunger.
Ihre Ausdrucksformen mögen noch so unterschiedlich sein, ihre Substanz noch so „ohne bleibendes Element“, noch so symbolisch oder „leer“ - Wirklichkeit kann erst entstehen, indem wir ihr - mit der uns eigenen Formenvielfalt - ein Gesicht verleihen. Auch das, was wir im Buddhismus als „leer“ und „ohne bleibende Gestalt“ bezeichnen, trägt einen Namen, hat eine Form - nachdem wir wieder am Marktplatz angekommen sind.
Form ist Leere: Manchmal wird im Zen vielleicht etwas zu stark betont, dass wir aus keiner bleibenden Substanz bestehen, unterschiedslos miteinander verwoben sind - „leer“ sind.
Leere ist aber auch Form, denn ohne uns gäbe es keines von beidem. Wir haben daher auch die Aufgabe, in Achtsamkeit der Leere Ausdruck zu verleihen - ob in den Zen-Formen wie beim Oryoki, bei der Rezitation, beim Kochen oder telefonieren.
Nur so werden wir frei von beidem - der Form, die uns gegeben ist, der Leere, die uns ausmacht sowie dem Haften am einen oder anderen.

Ein alter Buddha sagt:
Den Weg erlangen - tausend Schneeflocken erfüllen die Welt.
Grüne Berge malen - zahllose Rollbilder erscheinen.


Gassho,
Juen

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Aufmerksamkeit anstatt Effizienz. Sanfter Fluss anstatt Geschwindigkeit.

Letzte Woche hat uns wieder Kazuaki Tanahashi mit seiner Anwesenheit erfreut - wie immer leise, wie immer schier unermüdlich und - wie immer - von großer Weite.
Wir haben uns auch dieses Mal beste Mühe gegeben, dem Meister auf seinen Ausflügen zu diversen Gipfeln - Ryokan, Dogen/Uji, die Bedeutung des Herzsutras, die aktuelle Situation in Japan, die Kunst des Freudigen Lebens ... zu folgen. Ein wenig zumindest. Zugegebenermaßen sind wir danach immer etwas außer Atem, während unser Gast sich seinen Hut aufsetzt und seelenruhig von dannen geht - zu seinem nächsten Projekt, natürlich.
So schien es ein Paradox zu sein, seinen Vortrag im Rahmen unseres Sangha-Tages zu hören, welcher unter anderem auch die Kunst der Verlangsamung hoch hielt und ihr zudem überaus verjüngende Wirkung zusprach.
Dies aus dem Mund von jemanden, der nie still zu stehen scheint - außer bei nur oberflächlicher Betrachtung?

Und doch und doch - Zazen ist Verlangsamung.
Bewusster Atem ist Verlangsamung.
Tage, die überwiegend in Achtsamkeit verbracht werden, scheinen häufig nie enden zu wollen.
Wie oft hören wir: „Ich habe jetzt keine Zeit ... „Ich kann jetzt nicht“... „Auf gar keinen Fall“...?
Wie schnell sind wir dabei?
Wie viel Energie kostet es, unsere eigene Agenda hervorzukramen und vor allem: exponiert zu halten und verbal oder nonverbal unserem „nein“ Ausdruck zu verleihen?

Ein „Ja“, idealerweise ein freudiges Ja, ist bester Ausdruck von Verlangsamung.
Der Raum, der hierin entstehen kann, bietet Platz, Schatten und Basis für alle unsere Vorhaben - sogar die undenkbarsten.

Unser Freund und Mentor gibt uns auch hierin bei jedem Besuch aufs Neue ein umwerfendes Beispiel.

Wir sprechen mehr, wenn wir unsicher sind.
Wir kommen weiter, wenn uns das Gas ausgeht.

Gassho,
Juen

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11 = 6 = 12: Frühling!

Obschon es richtig ist, dass wir im Zen kein spezielles Ziel verfolgen, an dessen Erlangen wir uns zum Beispiel messen können: ohne Vision wird unsere Praxis grau werden und schließlich welken.

Unser erster Frühlings-Sesshin entstand aus der „Luft“ des gemeinsamen Frühstücks nach Rohatsu. „Es wäre schön, wenn wir nicht nur im Dezember“, - „man könnte darüber nachdenken, ob ...“. Dann folgte ein ungeplanter Umzug, eine neue Arbeit - und die zehntausend Gründe, die es immer geben wird, etwas nicht zu tun. Jedenfalls nicht ... jetzt.

Doch wenn wir einfach dabei bleiben, die Idee im Raum halten, sie immer mal wieder abgeben, wenn Dinge wie Logik oder Vernunft Oberhand zu gewinnen scheinen, dann können wir angstfrei vorwärts gehen in alle zehn Richtungen.

Wir werden immer nur auf den einen Körper treffen. Er gehört zu uns wie Goldregen, Fliederpracht und Maiglöckchen in diesem wunderbaren Frühling im Norden.

Changsha ließ einen Mönch den Meister Hui fragen: „Wie war es, bevor Du Nanquan gesehen hast?“
Hui blieb stumm.
Der Mönch fragte: „Wie war es, nachdem Du ihn gesehen hast?“
Hui sprach: „Da konnte nichts anderes sein“.
Der Mönch kehrte zurück und überbrachte dies Changsha.

Dieser sprach:
„Ein Mann, der an der Spitze einer hundert Fuß hohen Stange sitzt:
obschon er Einlass erhalten hat, ist es noch nicht das Wirkliche.
An der Spitze einer hundert Fuß hohen Stange sollte er vorwärts gehen:
das Universum in allen zehn Richtungen ist der gesamte Körper.“

Der Mönch sagte: „An der Spitze einer hundert Fuß hohen Stange, wie kannst Du vorwärts gehen?“
Changsha sagte: „Die Berge von Lang, die Flüsse von Li“.
Der Mönch sagte: „Ich verstehe nicht.“
Changsha sagte: „Das ganze Land steht unter kaiserlicher Herrschaft“.


aus: Thomas Cleary, Book of Serenity

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Besuch von Doko Waskönig Roshi

In einer vom Rat der DBU formulierten Orientierungshilfe für spirituell Suchende wird unter anderem die Frage gestellt: gibt es Kontakt und Austausch mit anderen Gruppen oder Lehrenden?
Am vergangenen Wochenende konnten wir einmal wieder erfahren, warum dies so wichtig ist: um uns selbst von einem etwas anderen Blickwinkel betrachten zu können, um gesehen zu werden, um all dies gemeinsam zu betrachten, um etwas zu lernen.
Um die eigene Übung angesichts der für uns frischen Worte des Dharmas überprüfen zu können.
Wie könnte dies besser geschehen als durch den Besuch einer der bekanntesten Soto-Zen-Lehrerinnen Deutschlands?
So waren dies beste Voraussetzungen für einen zweiten Sangha-Tag in neuen Räumen, die schon etwas weniger ungewohnt erschienen, hervorgehoben durch strahlendes Nordlicht, einem aufkeimenden Frühling und unseren neuen Bodhi. Der Ablauf war, bis auf einige Klippen während des Oryoki in für uns neuer Form, sehr harmonisch. Er folgte einem immer entschiedenerem Fluss, wie er sich nur durch die kontinuierliche gemeinsame Übung von inzwischen neun Jahren ausbilden kann.
In Harmonie mit dem kristallklaren Tag wurden wir nicht nur mit der reinen Anwesenheit, die an sich bereits eine Form der Lehre darstellt, sondern auch mit einem sehr beeindruckenden Dharma-Vortrag belohnt, in der sich Doko Roshi den Grundlagen unserer Übung, ausgehend von jener berühmten Passage aus Meister Dogens Genjokoan, widmete:

Den Erleuchtungsweg zu studieren bedeutet, das Selbst zu studieren. Das Selbst zu studieren, bedeutet, das Selbst zu vergessen. Das Selbst zu vergessen, ist von zahllosen Dingen verwirklicht zu werden. Wenn durch zahllose Dinge verwirklicht, fällt Dein Körper und Geist und der Körper und Geist aller anderen ab. Keine Spur des Erwachens verbleibt, und dieses "Ohne-Spur" besteht für immer.

bdi blog


Gewahr werden.
Was ist? Was passiert jetzt gerade? Das kann mit so scheinbar einfachen Dingen wie meiner Körperhaltung beginnen.

Untersuche die Welt im Augenblick des Sitzens. Ist sie senkrecht oder waagrecht? Im Augenblick des Sitzens, was ist Sitzen? Ist es der grazile Salto eines Artisten oder das pfeilschnelle Sausen eines Fisches? Ist es Denken oder Nicht-Denken? Ist es Tun oder Nicht-Tun? Ist es Sitzen inmitten des Sitzens? Ist es Sitzen inmitten des Körper-Geistes? Ist es das Sitzen und das Loslassen des Sitzens inmitten des Sitzens oder ist es das Loslassen des Sitzens inmitten des Körper-Geistes? Untersuche dies auf alle nur erdenkliche Weisen. Sitze in der Körperhaltung der Meditation. Sitze in der Geisteshaltung der Meditation. Sitze in der Meditationshaltung des Loslassens von Körper und Geist.
Eihei Dogen: Zanmai o Zanmai

Entfalten.
Haben wir uns eingehend damit beschäftigt, eine Bestandsaufnahme aller Dinge unseres Hauses zu erheben, geht es ans „Putzen und Fegen“. Es ist möglich, Dinge wie Gier, Hass und Unwissenheit so lange zu entstauben, bis sie in Großzügigkeit, Güte und Weisheit übergehen. Nur wenn wir alle unsere Gäste einladen, können wir frei werden von Gastgeber, Gast und Haus, frei für das Kultivieren des leeren Feldes.

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Sich überlassen.
Immer wenn ich denke, es besser zu wissen, als das Leben, werde ich leiden. Immer wenn ich denke, etwas bleibendes Schaffen zu können, werden meine Spuren in Vergessenheit geraten. Wir alle wissen, wie es ist, wenn jemand unheilsames Karma hinterlässt. Wir sprechen oft davon, gutes Karma zu hinterlassen. Können wir auch so vollkommen in unserem Tun verschwinden, dass „keine Spur“ mehr zu sehen ist?
Dann sind unsererseits weder gute noch schlechte Töne zu hören: das gesamte Universum im Einklang.

Jedoch kann ein Vogel die Fährten von hunderten oder tausenden kleiner Vögel sehen, welche in Scharen vorbeigeströmt sind oder die Fährten von vielen großen Vogelzügen, die nach Norden oder nach Süden geflogen sind. Diese Spuren mögen sogar deutlicher sein als Wagenspuren auf einer Straße oder Hufabdrücke eines Pferdes im Gras. Auf diese Weise sieht ein Vogel eines Vogels Fährte.
Eihei Dogen: Yuibutsu Yobutsu

Gassho,
Juen

Besuch DWR web

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Kommen und Gehen

Stern am Morgen, Kräuseln im Fluss,
zuckender Blitz in einem Sommersturm,
flackerndes Licht, Schatten und Traum -
so ist diese flüchtige Welt.
(aus dem Diamant-Sutra)

Während des Sanghatages im Pari-Nirvana Monat Februar haben wir uns
mit den „Fünf Erinnerungen“ beschäftigt:

1. Es ist mir gegeben, alt zu werden. Es gibt keinen Weg, dem Altwerden zu entrinnen
2. Es ist mir gegeben, krank zu werden. Es gibt keinen Weg, dem Krankwerden zu entrinnen.
3. Es ist mir gegeben, zu sterben. Es gibt keinen Weg, meinem Tod zu entrinnen.
4. Alle, die mir nahe stehen und alle, die ich liebe, sind Veränderungen unterworfen.
5. Meine Handlungen sind mein einziger Besitz. Sie bilden den Boden, auf dem ich stehe.

Die ersten vier Erinnerungen handeln von dem, was wir nur allzu oft nicht gerne sehen möchten: nichts bleibt. Alles, alles ist Veränderungen unterworfen:

Blütenblätter welken, obschon wir sie mögen. Unkraut sprießt, obschon wir es nicht mögen.
Genjokoan

Ob es uns gefällt oder nicht, irgendwann kommen sie: Fältchen, Lesebrille, Hörtest. Wechseljahre. Jemand bietet uns im Bus den Platz an. Die Aussicht, Oma, Opa zu werden, ist keine ganz so ferne Phantasie mehr. Unsere eigenen Eltern werden sichtbar fragiler. Unsere Kleine, eben noch im Kindersitz, besteht die Führerscheinprüfung. Wir haben Geburtstag und zählen nach: die Hälfte oder vielleicht die (statistisch betrachtet) längste Zeit ist bereits vergangen. Unser Chef geht in Rente. Wir schauen uns in der Arbeit um und stellen fest: manche könnten unsere Kinder sein.

Jemand stirbt. Nicht im Fernsehen. Hier, heute. Jemand, den wir kennen. Der eben noch unter uns war. Den wir geliebt haben.
Es ist: in unserem Gesicht. Täglich.

Dennoch schaffen wir es, unter oft erheblichem Kraftaufwand, diese uralte Weisheit, eine Grundlage unserer buddhistischen Übung, schlichtweg zu übersehen. Und wenn uns das Leben jäh damit konfrontiert, halten die meisten von uns allenfalls kurz inne.
Wenn es anders wäre, gäbe es Zen-Zentren wie Sportvereine.

Was, so haben sich Übende vieler Traditionen schon lange gefragt, was bleibt?

Obschon es wahr ist, dass nichts von bleibender Substanz ist und sich selbst unser hochgeschätztes Ich aus einer Vielzahl von Zyklen des Werdens und Vergehens zusammensetzt, die einer steten Veränderung bis hin zum Verlöschen unterworfen sind - etwas von alledem bleibt. Oder?

Zen hat darauf eine sowohl pragmatische wie - immer so! - unbequeme Antwort: unsere Handlungen.
Was wir denken.
Was wir tun.
Hier, heute.
Jetzt: solange wir noch hier sind.

Dafür gibt es ein ganz einfaches Maß:
Führen unsere Handlungen zu mehr Frieden - für uns und andere? Oder bewirken sie, dass diese sich regelmäßig über uns aufregen, Rache hegen und letztendlich auf Distanz gehen?
Bereiten wir anderen mit unserer Anwesenheit Freude?
Jeden Augenblick treffen wir eine Wahl, wie wir jemand anderem gegenübertreten; welches Karma wir hervorrufen.

Eine Sangha kann uns auch hierin wunderbares Übungsfeld und Spiegel zugleich sein. Es gibt nur wenig andere Orte, an denen wir gleichzeitig so liebevoll aufgenommen werden, immer wieder, und uns alles - a-l-l-e-s verziehen wird, immer wieder.

Die Zeit, sie läuft...
Denn: auch die schönste Sangha währt nicht für immer.
Sie ist, wie so vieles auf unserem Weg, ein Geschenk.

Es gibt auch nicht so viele Orte, an denen unsere Handlungen, bewusste wie insbesondere unbewusste, eine derart sicht- und spürbare Auswirkung haben. Für alle. Was die oben beschriebenen Handlungen natürlich beeinflusst ... und genau das ist erwünscht.

Der Buddha gab uns die ethischen Richtlinien als Handlungshilfe.
Es braucht nicht mehr als diese Richtlinien und unsere Absicht. Wir können unser gesamtes Leben mit ihnen verbringen.
Diese Übung ist nie zu Ende. Wir können sie niemals erschöpfen. Es gibt nicht so viele Dinge im Leben, die wir gerne tun und bis zuletzt ausüben können.

Wir können Dankbarkeit, Neugierde und Verwunderung darüber empfinden, wie es kommt, das wir hier... im idyllischen SH, fernab der großen Zentren, völlig überraschend ein so großes, nie zu verdienendes Geschenk bekommen haben.

Purpurrot
die sieben Schätze -
mit beiden Händen halte ich
Granatäpfel hoch -
ein Geschenk.

Ryokan

Gassho, Juen


eis


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Neujahresfeier 2011

Unsere Neujahresfeier zeichnete sich aus durch die Teilnahme von zwölf sitzenden und einem im Haus ruhenden Bodhi auf vier Beinen.
Nach dem Zazen folgte wie immer die Rezitation - mit einem großen Unterschied: erstmalig auf den von Angelika so professionell wie kunstvoll gebundenen Einbänden! Vielen Dank hierfür. Wir hoffen, die blauen Bände mit unserem Logo noch möglichst lange mit Euch benutzen zu können!
Die Rezitation an den Sanghatagen wird ab jetzt in der Regel die Rezitation der Ahnenlinie beinhalten, wir haben gerade damit begonnen.

Wie immer, ließen wir im Rahmen der anschließenden Feier das vergangene Jahr Revue passieren. Während wir in 2008, dem Einzug in unser erstes Zendo, viele Veränderungen vor allen in unseren Formen einführen mussten, war 2009 ein Jahr der Konsolidierung. 2010 könnte als „Sanghajahr“ beschrieben werden.

Es zeichnete sich aus durch eine sehr stabile Teilnahme und vermehrte Hilfsbereitschaft, eine deutlich mehr spürbare Zuversicht im Ablauf an den Sanghatagen, sowie die vermehrte Abgabe von Aufgaben, die den Ablauf im Zendo betreffen. Letzteres ist ein eindeutiges Zeichen für Tragfähigkeit und Konstanz - bei aller Pflege und Zuwendung, welche die unverändert zarte Pflanze Wind und Wolken unvermindert benötigt.

Wiederum schier unerschütterlich unser Donnerstagstermin in Lindau, der in diesem Jahr zum ersten Mal nahezu durchgehend stattfand und in der letzten Hälfte noch ein wenig personell verstärkt wurde. Das bedeutet für einige zwei Mal pro Woche gemeinsames Zazen!

Unser Pari-Nirvana Sanghatag musste wegen Schneeverwehungen ausfallen, wir hatten insgesamt zehn Sanghatage. Im März haben wir uns mit Dogen‘s „Frühling malen“ beschäftigt, kurz davor fand die erste Zen-Einführung in Eckernförde statt.
Der April hielt einen Sangha-Tag über die Richtlinien für ethisches Handeln bereit, als Vorbereitung für den Aufenthalt von Eido-san Anfang Juni, an dem wir bei herrlichem Wetter zu einem Wochenend-Sesshin mit Jukai-Zeremonie zusammen kamen. Kurz darauf traf Kazuaki Tanahashi Sensei ein und übte mit uns, neben japanischer Aussprache bei der Rezitation, den Zugang zu Ryokan‘s Gedichten an einem weiteren Sangha-Tag.
Im Juli konnten wir endlich den lange geplanten Tag über Geh-Meditation halten, der so inspirierend war, dass wir dies gleich im Rahmen des Rohatsu-Sesshins fortgesetzt haben.
Nach der Sommerpause folgte ein Tag über „Arbeit als spirituelle Übung“. Im September fand auch eine Vorstellung des Soto-Zen im Rahmen eines Kongresses in Eckernförde statt. Kinhin in einem mittelgroßen Raum mit etwa vierzig Neulingen, das wird noch lange in Erinnerung bleiben!
Im Oktober hatten wir, neben einem erneuten Besuch von Kaz Tanahashi, einer Einführung in die Rezitation auch noch eine Zen-Einführung in Schleswig sowie einen Sangha-Tag zu „die gesamte Welt ist Medizin“.
Wir haben sie in diesem Monat ausreichend gekostet. Vielen Dank!
Der November war geprägt von den vielen Eindrücken während des Dogen-Forums in San Francisco, bevor es dann in Rohatsu ging mit seinen nicht unerheblichen logistischen Herausforderungen, wetterbedingt. Unbedingt noch zu erwähnen sind drei Besuche von Euch in ZenRiver, welche den unvermindert guten Kontakt weiter vertiefen konnten.
Die vorhersehbaren Herausforderungen und Neuigkeiten, welche uns in der ersten Hälfte dieses Jahres begegnen werden, haben wir im Rahmen der Neujahresfeier angesprochen.
Es ist von heute aus betrachtet, schwer zu sagen, welche Überschrift dieses Jahr für unsere Sangha tragen wird. Räumliche Veränderungen, gewollt oder ungewollt, sind immer auch eine Chance: für Wachstum, Verbesserung und verstärkten Zusammenhalt.
Das Wichtigste ist und bleibt unsere Übung, alleine und gemeinsam, gemeinsam und alleine. Jeder Raum entsteht von dort.
Und: überall gibt es eine Wand, gibt es ein Nickerchen!

Wir freuen uns auf gutes Zazen, auf ein weiteres Jahr mit Euch,

Gassho, Juen und Nanzan

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Suzuki's Zen

Unser Sangha-Tag November war dem Aufenthalt in San Francisco/Berkeley und dem „Zen Translation Forum“ gewidmet. Nach etwa drei Stunden Zazen beendeten wir den formalen Teil und widmeten uns bei Tee, „blue-“ bzw. „cholocate-“ Chips, unseren Erlebnissen, die von Nanzan in eine musikalisch untermalte Bildergalerie verwandelt worden war. Der Abend endete zu den Klängen der „Old songs from the Southern School“. Eine Reise endet. Eine neue beginnt. Vielen Dank für Euer Zazen, Euer Kommen, Hören und Lauschen.

Gassho, Juen



Der Besuch in San Francisco führte uns zunächst in die zentral gelegene Page Street zum „City Center“. Das ältere Haus im sympathischen Neuengland-Stil entpuppt sich innen als überaus geräumiges, aus insgesamt drei Stockwerken bestehendes Gebäude, in dem etwa fünfzig Zen-Übende sowie mehrere Lehrer wohnen.
Im Erdgeschoß befindet sich neben einem Buchladen auch ein römisch anmutender Innenhof, der von einem Säulengang gesäumt wird. Überall im Haus trifft man auf Spuren von Shunryu Suzuki in Form von Portraits, Kalligraphien oder Photos. Das Haus, eine ehemalige Schule, wirkt trotz seiner Weitläufigkeit wohnlich, westlich, mit seinen vielen Sitzgelegenheiten und dekorativen Ecken zum Verweilen beinahe gemütlich. Die in mehr als vierzig Jahren erworbene Sitzenergie bleibt spürbar, selbst bei einer gewissen Geschäftigkeit, die dieses Haus zu bewohnen scheint.


Trotz der zahllosen antiken Raritäten und großformatiger Bilder wirkt der Gemeinschaftsbereich schlicht. Sein Essen schöpft man sich aus riesigen Töpfen, die auf einem Herd, der beinahe so groß ist wie die gesamte Küche in Lindau, bereit gestellt werden.
Im City Center lehren etwa 5-6 Zen-Lehrer, jetziger Abt ist der aus Irland stammende Paul Haller. Unser Eindruck bestätigte, was wir bereits von der Website erfahren hatten: hier finden eine Vielzahl von Kursangeboten statt, die von engagiertem Buddhismus mit lokaler Sozialarbeit über Möglichkeiten zum künstlerischen Ausdruck bis zu Textstudium reichen.
Etwa fünfzig Minuten weiter nördlich liegt Green Gulch Farm, die dem Zen Center von einem Amerikaner vor ein paar Jahrzehnten zur Verfügung gestellt wurde.
Auch das, wie so vieles, was wir gesehen haben, konnte nur auf dem Boden einer beeindruckenden Spendenbereitschaft für das Dharma geschehen. Überall befinden sich Dana-Behälter und im Laufe des Dogen-Wochenendes wurde der spirituelle Leiter, Steve Stücky, nicht müde daran zu erinnern, dass die Eintrittsgebühr Flugkosten, Unterkunft und abendliches Essen für die Vortragenden nicht abdecken können. Spontan spendete eine ältere Dame 500 Dollar für die Premiere der „Livestream“-Übertragung, eine weitere 3000 Dollar für eine Kalligrafie von Kaz, welche sie wiederum dem Zen Center spendete.
Mahlzeiten oder Pausenverpflegung waren für die Teilnehmer unentgeltlich, mit überall gut sichtbaren Spendenboxen vom Ausmaß einer Schatztruhe. Wiederholt wurde an die „Wunschlisten“ erinnert - im Klostermagazin und an bestimmten Informationsständen ausgehängte Listen von Dingen, die benötigt werden.

Das Wochenende wurde von insgesamt 12 freiwilligen Helferinnen und Helfern unterstützt. Die nebenbei entstandene Begleit-DVD zum Film über Dogen wurde ebenfalls von freiwilligen Kameraleuten durchgeführt.


Zen ist angekommen in diesem reich beschenkten Staat am Pazifik.
Ein paar Mal wurden wir in Geschäften nach dem Grund unserer Reise gefragt und erhielten neugierige und überwiegend freundliche, teilweise auch recht kenntnisreiche Fragen über unsere Übung.
Ausnahmesituation oder Vorbote für die Entwicklung bei uns in den kommenden zehn, zwanzig Jahren?
Kaz berichtete, dass damals, vor etwa fünfunddreißig Jahren, alle Welt ihn davon abhalten wollte, Dogen zu übersetzen: zu schwer, zu lang und außerdem: gab es bereits zwei veröffentlichte Ausgaben.
Er hat nie an der Sinnhaftigkeit seines Unterfangens gezweifelt, ebensowenig die Verantwortlichen des San Francisco Zen Centers, die ihm dabei finanzielle Unterstützung über mehr als eine Generation hinweg zugesagt haben. Vielleicht auch deswegen sein kontinuierliches Bemühen um eine Fortsetzung der bisherigen Übersetzungen Dogens ins Deutsche.

Wir waren zu kurz dort, um tiefere Einblicke in die Strukturen und Umgangsweisen miteinander zu haben. Nach der durch den Nachfolger von Shunryu Suzuki verursachten Erschütterung hat sich das Zen-Center neu strukturiert, die jeweiligen Äbte (vier insgesamt) werden für einen befristeten Zeitraum gewählt, in insgesamt über neunzig Gremien werden Entscheidungen gemeinsam getroffen. Es hat den Anschein, als ob für etwaige Unebenheiten, zum Beispiel zwischen Lehrer und Schüler, ein Forum besteht, in dem diese Dinge gegebenenfalls offen angesprochen werden können. Trotz der Kürze der Zeit und der gewissen Ausnahmesituation, die bei größeren Ereignissen dieser Art immer entsteht, waren wir überrascht durch die freundliche und offene Art, mit der auch die Lehrer uns gegenüber traten. Alan Senauke, Vize-Abt des Berkeley Zen-Centers und langjähriger Präsident des von Robert und Anne Aitken 1978 auf Hawaii gegründeten Buddhist Peace Fellowship, beschreibt Shunryu Suzuki so: „He was just somone you loved to be with“. Das ist bis heute spürbar und ein lebendiges Beispiel dafür, was gutes Karma vermag.

Die Green Gulch Farm besteht aus mehreren Gebäudekomplexen:
- einem wunderschönen Zendo, das seinen rustikalen Charakter durch die freiliegenden alten Holzbalken unterstreicht, umsäumt von einer breiten Veranda, die auch für Kinhin genützt wird.
- einem Teehaus, nach japanischen Vorgaben erbaut und von einem japanischen Garten umgeben.
- einem Konferenzgebäude, Essensräumen, Hauswirtschaft und der Küche.
- Bibliothek, kleinem Laden und der „Wolkenhalle“ für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie kleineren anliegenden Bereichen für die Lehrer.
- sowie einem weitläufigem Gärtnereibetrieb, der als einer der ersten ökologische Landwirtschaft anbot, vor allem Gemüse. In einer stillen Ecke befindet sich ein Erinnerungsgarten.

Von den Gärten und Anbaugebieten führt ein Pfad durch Seegrasfelder und Dünen zum Strand, wo der Pazifik seine kräftigen Wellen an dunklen Felsen auslaufen lässt.

Ein Mal im Monat findet zu Beginn des Dharma-Vortrages eine Viertelstunde lang Austausch mit den kleinen Buddhas statt - Kindern-, an diesem Sonntag zwischen fünf und zehn Jahre alt. Still lauschen sie dem fremdländischen Herrn mit seinem langen Bart, der ihnen die Kunst des Gemüse-Einmachens näher bringt und zum Schluss empfiehlt, die neue Ausgabe des Shobogenzo zum Beschweren der Einmachgläser zu benutzen.
Verdutzt verlassen die Kleinen den Raum...

Neben diesen beiden gehört noch das in den kalifornischen Bergen gelegene Kloster Tassajara zum Komplex des Zen Centers. An der Stelle, an der bereits die Ureinwohner Amerikas wegen der heißen Quellen zusammenkamen, gründete Shunryu Suzuki 1967 das erste Zen-Kloster außerhalb Asiens. Neben den zwei intensiven Übungseinheiten im Herbst/Winter (von Ende September bis Mitte April) und einer Arbeitseinheit von etwa einem Monat lebt Tassajara von seiner Sommerperiode, in der es für alle Besucher öffnet, die das berühmt gute Essen, die schöne Natur und den Badebereich genießen möchten. Daneben besteht ein reiches Angebot in Zen, Yoga, Kreativität und Achtsamkeitstraining.

Das San Francisco Zen Center hat zahlreiche angegliederte Gruppen. Die Spannbreite reicht von etablierten Zentren mit eigenem Lehrer vor Ort bis hin zu Sitzgruppen, die Schülerinnen und Schüler gegründet haben und wo man ein Mal pro Woche zum Zazen zusammenkommt.
Eines der etabliertesten Zentren darunter ist das Berkeley Zen Center, welches 1967 von Shunryu Suzuki mit Hilfe seines damaligen Schülers Mel Weitsman gegründet wurde, dem heutigen Abt. Das Berkeley Zen Center liegt mitten in einem Wohngebiet und ist von außen kaum als solches zu erkennen. Durch einen schmalen Gang betritt man einen kleinen Innenhof, um den insgesamt vier Gebäude gruppiert sind, in denen etwa zehn Zen-Übende sowie ein Zen-Lehrer mit seiner Familie wohnen. Das Zendo ist etwas höher gelegen, besteht aus viel Holz, wirkt nicht so beeindruckend wie die oben erwähnten, dafür aber umso überschaubarer.

Damit nicht genug... hatte das Zen Center Anfang der siebziger Jahre die Idee zu „Greens“ - (Grünzeug) - dem zuvor erwähnten Restaurant, das sich in einer Lagerhalle mit Blick auf die Golden Gate Brücke befindet. Sie bestand damals darin, das Zen Center finanziell zu unterstützen und durch gute, gesunde Kost die Übung einem breiteren Publikum näher zu bringen. Was wäre hierfür besser geeignet als unser Gaumen? Edward Espe Brown („How to cook your life“) verhalf mit seinen inzwischen zu Klassikern avancierten Kochbüchern nicht nur Tassajara zur Eröffnung einer Bäckerei in San Francisco, sondern machte auch Zen einem breiteren Publikum bekannt. Die Verbindung zwischen dem Zen Center und dem Restaurant ist bis heute vorhanden, wenngleich keine Mönche mehr dort kochen.


Am Abend nach unserer Rückkehr kamen wir zu Rezitationstraining und unserem Donnerstags-Zazen zusammen. Draußen stürmte es, drinnen gutes Sitzen, unisones und kraftvolles Singen - kein besserer Ort, nirgends!

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