Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Spuren

„Das Erscheinen oder Verschwinden hat ursprünglich keine festen Zeichen oder Spur“
Hongzhi



Im Zen wird häufig von dem Bestreben gesprochen, keine Spur zu hinterlassen: der Blick in ein Zendo weist in diese Richtung - spärlich möbliert, schmucklos; gleiche Matten und ähnliche Kissen. Auch in den anderen Übungsbereichen wie zum Beispiel beim Oryoki oder im Rahmen der Arbeit wird auf Ordnung, Putzen und Aufräumen großen Wert gelegt.
Das ist gut, weil es Achtsamkeit schult. An Dingen, die wir im Rahmen unserer Treffen benutzen, können wir lernen, auch mit uns selbst ähnlich aufmerksam umzugehen.
Wir putzen für uns, wir achten auf uns. Nur dann sind wir überhaupt erst in der Lage, zu geben: dem "anderen" - wie zum Beispiel unserem Zendo ein wenig Sauberkeit zum Beispiel.

Keine Spur zu hinterlassen könnte aber auch missverstanden werden als ein unbehagliches „ich darf nicht“ : Denken zum Beispiel oder meine Energie ausleben, unordentlich sein, Essen übrig lassen, „falsch“ singen. Nichts könnte verkehrter sein. Mit obigem sind karmische Spuren gemeint: Spuren, welche von meinem Ego stammen, einem Ich, das sich andauernd und immerzu bestätigt sehen möchte - weil es sonst seine Daseinsberechtigung verlieren könnte.

Wir hinterlassen andauernd Spuren.
Die Spur von Dogen Zenji ist über 800 Jahre alt, die des Buddha ca. 2500. Die gesamte, überreiche buddhistische Literatur besteht aus einer einzigen Spur. Ohne sie und die zahlreichen Spurrillen jener, die diesen Weg vor uns gebahnt haben, wären wir selbst dieser Übung wahrscheinlich niemals begegnet - oder zu einem deutlich späteren Zeitpunkt unseres Lebens.

Die beste Spur ist die unsichtbare. Es ist eine Spur, welche direkt zu unserem Herzen führt und sie ist so hell und klar, dass sie im Herbst mit „Himmel und Wasser“ verschmilzt und die gleiche Farbe hat wie „Mond und Schnee“. Wir können sie sehen und auch wiederum nicht, weil sie sowohl unsere ureigene ist und zugleich auch die von allen anderen. Sie ist federleicht und seitenstark. Sie folgt dem Wechsel und bleibt doch immerzu gut sichtbar. Sie reicht tief zurück und weit nach vorne - umso mehr, desto deutlicher wir versuchen, ihrer unmissverständlichen, spurlosen Richtung zu vertrauen und zu folgen.

... Zen Meister Hōtetsu vom Berge Mayoku fächelte sich Luft zu. Ein Mönch kam hinzu und sagte: „Meister, die Natur des Windes ist beständig; kein Ort, an den der Wind nicht reicht. Warum benutzt der Verehrte Vorsteher dann noch seinen Fächer?“
Der Meister sagte: „Obschon Du verstehst, dass die Natur des Windes beständig ist, weißt Du nicht, was es bedeutet, dass es keinen Ort gibt, an den sie nicht reicht.“
Der Mönch fragte: “Was bedeutet: kein Ort, an den sie nicht reicht?“
Der Meister fächelte sich weiterhin Luft zu.
Der Mönch verneigte sich tief.

So ist es mit der Verwirklichung des Buddha-Dharma und dem lebendigen Weg seiner rechten Überlieferung. Wenn Du sagst, dass Du Dir nicht zuzufächern brauchst, weil die Windnatur beständig sei und dass Du den Wind spüren kannst, ohne zu fächeln, so kennst Du weder Beständigsein noch Windnatur. Das Wesen der Windnatur ist beständig und daher bringt der Wind von Buddhas Haus das Goldgelb der Erde hervor und macht die Sahne des langen Flusses duften.

Genjokoan


Vogelspuren 3

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