Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Bodhisattvas aller Länder!

In dieser Woche sind die ersten Frühlingsboten in den Norden gelangt: helle Tage in klarem Licht werfen einen Blick auf Krokusse, morgendliche Vogelstimmen, Knospen und jenen zarten Flor auf gefrorener Erde, wie er nur im März besteht. Erleichterung liegt in der Luft - wir haben ihn nahezu überstanden, den langen Winter am 54. Breitengrad.
Während in unserem kleinen Universum Aufbruchstimmung und Vorfreude keimen, scheint bei einigen unserer Freundinnen und Freunde im Osten die Welt unterzugehen. Zumindest sieht es, von unserer vermeintlich sicheren Warte her betrachtet, immer mehr danach aus.
Dabei sind die meisten von uns vieles gewöhnt.
Es fällt schwer genug, angesichts der täglichen Kriegsberichte, Gräueltaten und Unglücksereignisse noch ein individuell anständiges Maß an innerer Anteilnahme aufzubringen. Die Medien liefern eine Abfolge an Extremsituationen auf dieser Erde in unser Wohnzimmer - wir können alltäglich gar nicht anders, als auf Distanz zu gehen.
Dieses Mal trifft es Japan, das Land, zu dem einige von uns eine besondere Beziehung haben. Bilder, die uns seit zwei Wochen von dort geliefert werden, bringen einiges hervor, zum Beispiel: Neugierde vermischt mit ehrlicher Betroffenheit und einer nicht zu leugnenden immerhungrigen Informationslust.
Kann ich mir vorstellen, von einer Minute auf die andere nicht mehr zu besitzen als meine Kleidung und die Erinnerung an das, was einmal sowohl meine als auch die Geschichte meiner Familie, Eltern, Nachbarn, gewesen ist?
Alles - weg?
Kann ich mir vorstellen, mit Würde, Disziplin und Bereitschaft diesem allem gegenüberzutreten?
Kann ich mir vorstellen, kein Wasser aus der Leitung mehr trinken zu können?
Kann ich mir vorstellen, Angst zu haben, durch eine unsichtbare Macht, die alles um mich herum durchdringt, für den Rest meines Lebens vergiftet zu werden?
Was kann ich angesichts all dieser vernichtenden Informationen überhaupt tun außer hinter meiner Chipstüte zu verschwinden und den nächsten Kanal anklicken?
Ich kann beten. Spenden. Beobachten. Sitzen. Mir meines Energiehungers bewusst werden. Meiner Lebensweise insgesamt.
Mich dessen besinnen, was wirklich wichtig ist: mein Kissen. Freunde. Sangha. Ich kann nochmals beten. Nochmals spenden.
Und ab und an ein Blick auf diesen herannahenden Frühling.
Es gibt auch für uns hier sehr viel zu tun.

Gassho, Juen

nbg

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