Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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So - oder etwa nicht ?

Tu Gutes
Tu nichts Schlechtes
Halte Kopf und Herz rein
Dies ist die Lehre der (sieben) Buddhas.

Dhammapadda



In dieser Woche haben wir uns über das „Urteilen“ unterhalten.
Wir haben unter anderem festgestellt, dass ein Teil von uns ausgesprochen gerne urteilt, insbesondere schauen wir immer dann ganz genau hin, wenn wir etwas als „falsch“ ausmachen können. Sehr häufig an uns selbst, aber natürlich auch an allem anderen.
Es gibt, in manchen mehr, bei anderen weniger stark ausgeprägt, eine Neigung, alles, was uns begegnet, in diese beiden Kategorien einzuteilen: falsch/richtig.
Während „richtig“ meist nur kurz abgenickt wird, halten wir uns oft länger bei dem auf, was wir als „falsch“ erachten.
Dank der Medien erfahren wir viel, können wir täglich eine große Anzahl an Ungerechtigkeiten sehr nah miterleben. Unsere geplagte Welt bietet uns zahllose Gelegenheiten dazu, Stellung zu beziehen, uns aufzuregen. Das unbehagliche an dieser Art von Urteil ist ihre Sackgassen-Existenz. Es passiert nicht mehr so viel in dieser Straße, nachdem wir unser Urteil gefällt haben.
Daran ist nichts verwerflich - solange wir unser Urteil auch wieder ablegen können. Das bedeutet: solange wir zu uns selbst zurückkehren können.
Jack Kornfield empfiehlt daher den Einsatz von Humor, damit wir den nötigen Abstand wahren können.

Fukoshima, Nordafrika, Ehec, Griechenland ... es ist überwältigend.
Wenn wir aber alles, alles, was wir jeweils dazu zu sagen haben, irgendwann zu uns selbst zurückbringen, können wir unserem Urteilen Gelegenheit geben, in unsere Praxis miteinzufließen.
Ein Urteil, das aus einer Haltung der Abwehr heraus entsteht, kann nahezu immer zurückverfolgt werden.
Wer ist diese Person in mir, die urteilt?
Wie alt ist sie?
Oder: habe ich vielleicht Angst? Wovor?
Treibt mich eine Sehnsucht nach Gerechtigkeit?
Möchte ich von etwas in mir selbst ablenken?
Besagt mein Urteil, dass ich „besser“ bin?
Enthält es zumindest ein wenig Verständnis auch für die andere Seite?

Andererseits brauchen wir Meinungen und Urteile, denn ohne sie könnten wir im Alltag keinen einzigen Tag überstehen. Unsere Übung ermöglicht uns, zwischen dem Zustand des Ent-Denkens auf dem Kissen und dem Zustand des Denkens (und Urteilens) hin und her zu wandern.
Auf diesen Austausch kommt es an. Dann wird irgendwann unser Urteil vielleicht immer noch gekoppelt sein an starke Emotionen, die uns an sich nicht gut tun, aber in uns wird das Bewusstsein wachsen, dass es noch eine Alternative gibt.
Wir können so - oder auch anders.
Wir können urteilen und klarer werden. Wir können unterscheiden und dabei gleicher werden. Wir können uns fragen, ob mein Urteil mir als Bodhisattva auf dem Weg hilft oder eben nicht.
Letztendlich ist es ganz einfach: führt dies zu mehr oder zu weniger Leiden?
Ja!

Im Schatten der Berge:
wasserdurchzogenes Moos,
Rinnsale zwischen den Felsen.
Langsam werde ich
ein wenig klarer.

Ryokan

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