Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Sitz still und beweg Dich!

Im Rahmen des letzten Sanghatages haben wir begonnen, uns mit dem Satipatthana-Sutra zu beschäftigen, welches die Gegenwart von Achtsamkeit behandelt. Unter den vier Gebieten, auf denen wir Achtsamkeit üben können, findet als erstes die Achtsamkeit um den eigenen Körper Erwähnung.

Woher wissen wir, dass da ein Körper sitzt, der atmet? Wo empfinde ich im jeweiligen Augenblick Wärme, Kälte, Berührung, Druck? Welche Teile meines Körpers befinden sich in Bewegung?
Kann ich beim Essen die Achtsamkeit beim Duft der Speisen, bei ihrem Anblick, beim Kauen, bei der sich verändernden Beschaffenheit des Speisebreis halten? Kann ich meine Nahrung, auch im Bezug auf die Wahl meiner Kost und ihr Volumen, als Unterstützung für das betrachten, was mir in meinem Leben am Wichtigsten ist? Kann ich genießen, mit allen Sinnen und dennoch nicht mehr nehmen, als gesund für mich ist?

Jede Form der Meditation beginnt mit dem Körper. Ihn in all seinen Funktionen und Wahrnehmungen als solchen beobachtend zu begleiten, ist für junge Anfänger wie für etwas Erfahrenere eine gute Übung.

Immer wieder begegnen wir, gerade auch beim längeren Sitzen wie an den Sanghatagen, körperlichen Schmerzen. Wie wir hiermit umgehe lernen, kann uns auch in anderen Bereichen helfen:

... die meisten Arten von körperlichen Schmerzen, mit denen wir es bei der Meditation zu tun haben, stellen keine Hinweise auf eine körperliche Ursache dar. Sie sind vielmehr schmerzhafte Darstellungsformen unseres emotionalen, psychischen und spirituellen Fehlverhaltens. ... Es sind jene Bereiche des Körpers, die sich in schmerzhaften Situationen immer wieder verkrampft haben, um uns vor den unvermeidlichen Schwierigkeiten im Leben zu schützen... Wenn uns lange aufgebaute Muskelverspannungen bewusst werden, können wir auch Gefühle, Erinnerungen oder Bilder entdecken, die mit den jeweiligen verkrampften Bereichen zu tun haben.

Jack Kornfield, “A Path With Heart“


Bedeutet dies, dass wir nach einigen Jahren bis Jahrzehnten schmerzfrei sitzen können (müssten)?
Die meisten werden feststellen, dass dem nicht so ist. Haben wir etwas Wesentliches verpasst oder gar falsch gemacht, wenn wir „immer noch“ mit Schmerzen beim Sitzen zu kämpfen haben?

Sicherlich entspricht es der Erfahrung der meisten, dass sich im Laufe regelmäßiger Praxis muskuläre Spannungen lösen. Wir halten aus während unseres stillen Sitzens und schon allein dadurch tritt eine gewisse muskuläre Entspannung ein, einfach durch eine kontinuierliche „Druckausübung“ in Form von Aufmerksamkeit.
Ferner reisen wir gerade in den ersten Jahren häufig zurück. Erinnerungen jeder Art, die nicht immer nur traumatisch sein müssen, kommen an die Oberfläche. Sie möchten angeschaut und anerkannt werden und legen sich danach entspannt zurück, weil wir sie in den Kreis der Achtsamkeit aufgenommen haben.
So scheinbar mühelos und entspannt es aussieht: beim Zazen werden zahlreiche Muskeln beübt, insbesondere im Unterbauch und in der Lendenwirbelsäule. Durch gute Atmung können wir lernen, diesen Bereich wechselweise anzuspannen und zu entspannen, was letztendlich zu einer Kräftigung der Muskulatur, zu besserer Haltung und einem freierem Fluss von Energien führen wird.

et incarnatus est...
Es ist nicht einfach, als Mensch zu leben: im Einklang mit unserer Umwelt und unserem Körper.
Reines Sitzen birgt die Gefahr, sich darin zu verlieren. Körperliche Bewegung kann zu einer verbesserten Wahrnehmung beitragen und dazu führen, dass wir mehr von dem spüren, was in uns vor sich geht und unseren Wunsch nach freiem Austausch zwischen „drinnen“ und „draußen“ erheblich fördern. Ein beübter Muskel kann leichter auf die wechselnden Anforderungen, die an ihn gestellt werden, antworten. Ab einem gewissen Trainingsgrad werden sich dann auch Anspannungen, die primär im Kopf entstanden sind, lösen.

Wir haben sie nun einmal, diese Form und die Fähigkeit der Unterscheidung zwischen „hier und dort“.
Beides zusammenzufügen innerhalb dessen, was wir unser „ich“ nennen, ist keine leichte Aufgabe. Diese Friedensarbeit wird uns umso besser gelingen, je mehr wir ein gutes Gleichgewicht zwischen Ruhe und Bewegung aufrechterhalten. Nur dann werden wir sie letztlich treffen können: die tanzende Steinfrau, den singenden Holzmann - die unsterbliche Person in dieser Hütte, hier und jetzt.

Gassho, Juen
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