Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Einfach Zen

Mitte Juni verstarb die amerikanische Zen-Lehrerin Charlotte Joko Beck (1917 - 2011). Sie wurde in Deutschland vor allem durch ihre Ende der achtziger / Anfang der neunziger Jahre erschienenen Bücher Everyday Zen: Love and Work und Nothing Special: Living Zen bekannt.

Joko Beck, die nach einem Studium der Musik zunächst als Klavierlehrerin arbeitete, war Mitte vierzig, als sie, inzwischen Mutter von vier Kindern, nach ihrer Scheidung zum Zen kam. Sie war eine der ersten, die von Taizan Maezumi (White Plum Lineage) die Lehrbefugnis erhielt. Kurz darauf verließ sie Los Angeles und lehrte von 1983 bis 2006 in San Diego.

Joko Becks Lebensweg zeichnet sich durch eine beeindruckende Unerschrockenheit und Konsequenz aus. Als Mitte der achtziger Jahre eine Reihe von schwerwiegenden Verfehlungen anerkannter Zen-Lehrer öffentlich wurden, scheute sie sich nicht, die tieferliegenden Gründe hierfür zu benennen. Sie war eine der ersten, die mittels einer Sprache, welche Aspekte aus der Psychologie miteinbezog, buddhistische Grundinhalte einer breiteren Zuhörerschaft zugänglich machte. Sie wurde nicht müde zu betonen, dass zu einem wahren Zen-Menschen nicht nur Kensho-Erfahrungen und ein Erleben der Leere aller Dinge gehören, sondern auch die oft so viel unliebsamere Beschäftigung mit unseren charakterlichen Zügen wie Wut, Hochmut, Angst oder Unversöhnlichkeit.

Sie war auch eine der ersten, welche die Gefahren, die aus dem Übergang des japanischen in das westliche Zen sowie aus dessen zunehmender Institutionalisierung entstehen können, beim Namen nannte.
In einem Vortrag über die Funktion von Zen-Zentren sagte sie:

... “Natürlich sollten Zentren die eigene Übung unterstützen. Wir haben aber auch eine Menge an Illusionen über Zen-Zentren, genauso wie über Zen-Lehrer. Viele denken, ein Zen-Zentrum sollte ein Ort sein, der so richtig schön ist für mich. Mit anderen Worten, es sollte keinesfalls eine Bedrohung darstellen. Ich denke, ein gutes Zentrum sollte manchmal durchaus eine echte Bedrohung darstellen!

... Die Funktion eines Zentrums besteht in erster Linie zum Beispiel gerade nicht darin, den Menschen ein Sozialleben zu geben - so sinnvoll das hin und wieder auch sein mag. Ferner ist es nicht dazu da, dass man sich gut fühlt oder als etwas besonderes.

... Es sollte ein Ort sein, der uns unterstützt, der uns aber auch durchaus herausfordert und in diesem Sinne sind wir alle Lehrer füreinander. Manche der wirkungsvollsten Lektionen, die dort geschehen, haben überhaupt nichts mit dem eigentlichen Lehrer zu tun. Ehrlich zu sein, gewahr zu sein für das, was Praxis bedeutet und es mit anderen zu teilen - das ist es, was ein Zentrum zu einem so besonderen Ort macht.
Wie in jeder Organisationsstruktur, kann es auch in einem Zen-Zentrum subtile Ego-zentrierte Ströme geben, wenn wir nicht andauernd sehr genau aufpassen.

... Je länger jemand übt, desto weniger wichtig sollte so etwas wie „Rang“ innerhalb der Sangha sein. Natürlich übernehmen diejenigen, die bereits länger üben, bestimmte Aufgaben. Das wichtigste aber ist, dass der Einfluss der Älteren durch die Art und Weise, wie sie üben, ausgedrückt wird.

... Ein Senior-Schüler zeichnet sich dadurch aus, zu arbeiten, wenn keiner hinschaut. ... Das ist ein Zeichen reifer Praxis, die Arbeit zu verrichten und unsere eigene Wichtigkeit herauszuhalten. Ich persönlich versuche das, indem ich die überragende Rolle, die einem Lehrer zugeschrieben wird, versuche herunterzuspielen. Ich möchte, dass dies auch für alle Senior-Schüler gilt. Wenn ihr also denkt, nicht das zu bekommen, was man für gewöhnlich erhält, nun, dann habt ihr eine gute Übungsgelegenheit!

... Ein weiteres Kennzeichen eines guten Zentrums besteht darin, uns durchzurütteln - es kann manchmal gar nicht so sein, wie wir es uns wünschen.

... Wohin wir daher zurückkehren ist, mehr und mehr den Standpunkt des Beobachtens einzunehmen. Das stellt die Grundlage unserer Übung dar. ... Ein Kennzeichen zunehmender Übungsreife besteht ganz einfach in der Fähigkeit, immer mehr zu beobachten - ohne davon eingenommen zu werden. Leicht, darüber zu sprechen! Es braucht wahrscheinlich 15 - 20 Jahre harter Übung, um wenigstens einen guten Teil seiner Zeit auf diese Weise verbringen zu können. ... Das ist jedoch noch nicht das Endstadium. Wo kein Objekt, keine Person, kein Ereignis, kein Ding auf der Welt, durch das ich gefangen werde - da auch kein Objekt und kein Beobachter. Von hier ist es nicht weit zu jenem Zustand, den wir „Erwachen“ nennen.

... Ich habe noch nie jemanden getroffen, von dem ich das Gefühl hatte, er oder sie hätte das gemeistert, aber es gibt einige Menschen, die weit gekommen sind. Wenn Du also das Glück hast, so jemanden zu treffen, kannst Du diesen Unterschied spüren als eine Begegnung mit jemanden, der vom Leben nicht derart eingenommen wird, im Gegensatz zu jemandem, der etwas Bestimmtes dringlich benötigt oder der darauf besteht, das Leben müsse „so“ sein. Du stellst fest, dass eine solche Person Frieden ausstrahlt und frei ist. Das sind die Menschen, die einen heilsamen Einfluss auf alles Leben in ihrer Umgebung ausüben. Dazu müssen sie nichts tun - Heilung kommt davon, wie sie sind. Diese Art von Verwandlung streben wir in unserer Praxis an. Wir haben das große Glück, die Gelegenheit dazu erhalten zu haben.... Lasst uns unser Bestes versuchen.“


Wir verbeugen uns vor einer großen Lehrerin.

Gassho,
Juen

Joko

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