Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Listen

Obgleich wir es gerne ordentlich und übersichtlich hätten – für tausende von Kilometern: nichts hält.
Warte innerhalb des Tores nicht auf die Klarheit anderer.
Ohne Dein Kümmern ist es sehr leicht, den Pfad lebendiger Übung zu verlassen.
Selbst jene, die schwerhörig sind, werden berührt vom Klang des abendlichen Regens.
 
Dogen Zenji

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Nicht nur zu Jahresbeginn, wo wir gelegentlich Listen erstellen und versuchen, einen Überblick zu gewinnen und „strukturiert“ in das neue Jahr zu starten, hätten wir es zuweilen gerne „ordentlich und übersichtlich“. Ob wir im Zen versuchen, zwischen „Rinzai“ und „Soto“ oder zwischen „Nicht-Zen“ und „Zen“ zu unterscheiden oder ob wir uns darum bemühen, die Überraschungsereignisse unseres Alltags mit einer paraten Formel einzugrenzen – die Sehnsucht nach Überschaubarem ist eine zutiefst menschliche.

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Nichts ist falsch an Listen, an Verunsicherung im Anblick von Neuem.
Dennoch tun wir gut daran, wenn uns wieder einmal vor Augen geführt wird, dass unser Leben sich nicht an unsere Pläne hält, auch dies ähnlich „kontrolliert“ und vielleicht sogar freudig zur Kenntnis zu nehmen wie die innere Zuversicht, die uns überkommt, wenn wir meinen, alles gut im Griff zu haben.

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In der nächsten Zeile werden wir an ein weiteres menschliches Dilemma erinnert: wir befinden uns, insbesondere, wenn wir uns innerhalb der Tore einer Sangha bewegen, in freundschaftlicher Gemeinschaft. Das ist unschätzbar.
Dennoch müssen wir alleine üben, die Verantwortung tragen für unsere Praxis, die nicht mit der von irgendjemand anderem vergleichbar sein kann. Wir müssen uns kümmern, alleine, jeder für sich sollte sich anstrengen wie mit den „Haaren in Feuer“ – was wiederum die „große Versammlung“ bewegen und beleben wird und somit jeden einzelnen von uns.

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Hierfür müssen wir nicht notwendigerweise jeden Tag viele Stunden in Zazen verbringen, uns jahrelang in ein Kloster zurückziehen oder monatlich Sesshin sitzen. Das alles ist hilfreich. Aber es passt vielleicht nicht immer in meine jeweilige Lebenslage. Vielleicht hat Dogen das Dilemma unserer heutigen Zeit ein wenig geahnt oder vielleicht ist dieses Dilemma so alt wie Menschengedenken.

Er bietet im letzten Satz etwas an, wofür wir nur wenig bis gar nichts an unserer Alltagsstruktur verändern müssen: wir können immer hören, lauschen, aufnehmen.
Es bedeutet nicht, dass wir sofort etwas unternehmen, eine Meinung haben oder etwas sagen müssen.
Es kann jedoch bedeuten, dass wir innehalten und dem Ton erlauben, ein Echo zu erzeugen. Avalokiteshvara beginnt als schweigende Gastgeberin.

ene

Friedliches Zazen, lächelndes Mitgefühl, soziale Handlung haben hier ihren Ursprung.

Gassho,
Juen

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