Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Sep 2011

Geben ist Nehmen

Niemals
werde ich es verkommen lassen
mein Leben in Verzicht
für den Buddha
für das Dharma.


Ryokan


Im Rahmen unseres letzten Sanghatages haben wir uns auch mit einem der zahlreichen Gedichte Ryokans beschäftigt, welches „Takuhatsu“, den traditionellen Bettelgang japanischer Mönche, zum Thema hat.

Für Ryokan bedeutete die tägliche Runde in seine Umgebung Übung und Lebenserhalt zugleich.
Die wenigsten von uns werden jemals in der Lage sein, um ihr Essen betteln zu müssen. Die Haltung, mit welcher Ryokan diese für ihn lebensnotwendige Routine aufrechterhielt, kann uns allen jedoch etwas über unsere Einstellung zu Alltagsdingen sagen - einschließlich unseres Arbeitsalltags.

Wie wir aus zahlreichen Gedichten und Anekdoten wissen, machte Ryokan keinen Unterschied in der Auswahl seiner potentiellen Unterstützer - „ob Sakeladen oder Fischhändler, ich besuche sie alle“. Mit „aufrechtem Blick ehrlicher Augen“, ging er seine Bettelrunde, in einer Grundhaltung der Dankbarkeit. Daher gelang es ihm auch, „einen Stapel Schwerter“ zu brechen - indem er weder dem einen hinterher jagte - zum Beispiel der Aussicht auf leckere Kost vor einer bestimmten Tür - noch das andere vermied, wie Besuche vor Häusern, die sich unten auf der Sozialskala befanden.Trotz Wind und Wetter, mit einer manchmal leeren, manchmal gut gefüllten Schale, lebte er mit Gleichmut durch alle seine Umstände, ohne sich von ihnen überwältigen zu lassen.

Ohne Anhaften, ohne Vermeiden - dem jeweiligen Augenblick gerade und aufrecht gegenüberzutreten, stellt eine der Grundlagen buddhistischer Übung dar. Takuhatsu und Zazen waren für Ryokan das gleiche - „nur sitzen“. Ohne Erwartung auf tiefes Erwachen, ohne Vermeiden von Verblendung. Die Straße heruntergehen und dankbar annehmen, was gegeben wird:
eine Haltung, mit der Fegefeuer damals wie heute versiegen werden: „wacher Füße Schritte löschen langsam kochende Hitze“.

Ryokan gab den Adressaten durch sein Betteln auch die Gelegenheit, selbst zu geben und so ihre Großzügigkeit zu beweisen, eine der ersten Tugenden in der buddhistischen Lehre.
So wurden alle zu Beschenkten - er selbst durch die Gaben an ihn und die Gebenden durch deren Verwendung zur Erhaltung des Dharmas.
Wo wäre ich ohne Dharma? Wie kann ich es bewahren - für mich und andere?
Je mehr ich schenke = je weniger ich unterscheide, umso weniger werde ich leiden und umso wohlhabender werde ich sein.
Wenn wir derart durch unser Leben gehen - es zumindest versuchen -, wird unsere Schale immer gut gefüllt sein.

Gassho, Juen


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Von Yin und Yang und Wort und Klang

In dem Augenblick, in dem wir vom Kissen aufstehen, entsteht Klang - wir rascheln, es bewegen sich unsere Füße auf dem Holzboden beim Kinhin in Schleswig, usw.

Noch deutlicher wird es, wenn wir uns am Ende über unsere Übung austauschen. Dann werden wir angehalten, diese in Worte zu fassen, was nicht leicht ist. Doch ohne Sprache, ohne ein Mitteilen unserer unmittelbaren Erfahrung, wird auch unser Zazen mit der Zeit stumpf werden.

Nur das gesprochene Wort schafft Realitäten. Das, was in unserem Kopf, diesem oft schier undurchdringlichen Dickicht, vorgeht, bleibt so lange vage und auf oft fatale Weise „real“, da nicht hinterfragt, bis wir den Mut aufbringen, das bisher verborgene anzuschauen oder anschauen zu lassen.

Oft können wir erst dann sehen, was sich für seltsame Dinge in unserem Oberstübchen tummeln - Urteile, Ansichten und Geschichten aller Art, „man“ -Sätze. Das meiste davon stimmt nicht. Es stimmt so lange nicht, wie wir es verbergen oder vermeiden, es anzuschauen. Auch deswegen ist Zen so schlank, so unbequem, so anti-Komfort.

Erst das Wort im Raum ermöglicht uns, dieses und den damit verbundenen Sachverhalt in die Hand zu nehmen und zu beleuchten - das Licht inwärts zu richten und nach einer Runde Entspannung wieder auszuknipsen wird uns nicht dauerhaft glücklich machen.
Erst das allen Betrachtern, inneren und äußeren, zur Schau gebrachte Wort kann wieder abgelegt werden. Dazu dient unser Zazen.
Es ist eine fortwährende zirkuläre Bewegung.

Kyosei fragte einen Mönch: „Was ist das da draußen?“
Der Mönch antwortete: „Regentropfen“.
Kyosei sagte: „Die Menschen verdrehen alles. Sie irren darüber, wer sie sind und rennen den Dingen hinterher.“
Der Mönch fragte: „Wie steht es mit Euch, Meister?“
Kyosei antwortete: „Ich habe mich beinahe verloren“.
Der Mönch antwortete: „Wie bitte?“
Kyosei sagte: „Der anfängliche Durchbruch mag einfach sein. Nicht aber das, was danach kommt.“

Hekiganroku

Vor den Worten jedoch, weit vor ihrer Entstehung und dem Beachten von so komplizierten Dingen wie Grammatik und Kommunikation, ist Klang. Klangmeditation kann uns sehr schnell in den gegenwärtigen Augenblick zurückbringen.
Unser Atem: Klang. Unser Körper: Klang. Unsere Umwelt: Klang.
Manchmal kann uns selbst ein Husten oder Niesen schneller in die Gegenwart zurückbringen als andere gedankliche Klimmzüge. Jeder Musiker weiss: Spielen und Denken gehen nicht zusammen. Der Ton der einen Hand kann nur entstehen, wenn alles in uns Klang wird, schwingt.
Unsere Buddha-Natur, unser Wahres Ich, sind nichts anderes.

Gassho, Juen

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