Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Nov 2014

Erleuchtung garantiert!

Zahllose Zen-Geschichten erzählen von oft sehr einfachen Begebenheiten, wo ein langjähriger Schüler beim Klang eines Steins an einen Bambus, beim Hören einer Liturgie, beim Backen von Breikuchen Erleuchtung erlangte. Meistens enden die Geschichten hiermit.
Wenn es sich nicht um später bekannt gewordene Zen-Lehrerinnen und Lehrer handelt, wissen wir daher nicht, was danach geschah. Haben sie sich verzückt zurückgezogen mit ihrem kostbaren Schatz? Haben sie aufgehört zu üben, jetzt wo ihr Ziel erreicht war? Sind sie überhaupt anhaltend zufriedener geworden? Haben sie ihr Erkennen weitergegeben?

Wir können es nur ahnen. Und wir können uns auf die Geschichten berufen, die das Zögern des Buddhas beschreiben, als er mit seinen ehemaligen Weggefährten nach jener Nacht unter dem Bodhi-Baum zusammentrifft. Das letztendliche Resultat ist bekannt: er zog sich nicht zurück, sondern er lehrte viele Jahrzehnte lang. Selbst noch im Sterbeprozess versuchte er, das Wesentliche zu vermitteln. Scheinbar unablässig, scheinbar persönlich unbeeindruckt von dem, was ihm widerfahren war. Es sind in der Überlieferung jedenfalls keine Begebenheiten bekannt, in denen er sich seiner Taten rühmt oder Anstalten macht, sich darauf auszuruhen. Viele Jahrhunderte später greift ein Eihei Dogen dies auf:

„Auf dem großen Weg der BuddhaAhnen gibt es immer unübertroffene Praxis, fortwährend und nachhaltig. Sie bildet den Kreis des Weges und ist niemals abgeschnitten. Zwischen dem Streben nach Erwachen, unserer Praxis, dem Erwachen selbst und Nirvana gibt es kein Haaresbreit; fortwährende Übung bildet des Kreis des Weges.“
Gyoji


Unsere Einsichten mögen klein oder manchmal etwas größer sein. Es kann auch geschehen, dass sie in uns hineindonnern wie ein Sommergewitter. Das ist interessant und reiht uns ein in die vielen, die eine sogenannte „Kensho-Erfahrung“ gemacht haben. Aber es reicht leider nicht. Gerade spektakuläre Erfahrungen können eine Praxis auch zum völligen Stillstand bringen, wenn sie nicht auf gut vorbereiteten Boden fallen. Begebenheiten dieser Art sind daher für das, was wir „Erwachen“ nennen, nicht zwingend erforderlich.
Nötig ist vielmehr: einfach weitermachen. Verbeugen, hinsetzen, uns bemühen, verbeugen, aufstehen.

Erwachen kann auch sein: die Kinder zur Schule fahren, Tee kochen, mit einem Freund telefonieren. Erwachen bedeutet: „wach“ sein, da sein, uns verfügbar machen. Uns nicht hindern lassen in der furchtlosen Weite, die unser Leben erfüllen kann. Weder durch „schlechte Nachrichten“ noch durch „meine Eltern“ noch durch unser Gedankenkarussell, noch durch das, was wir als unsere körperlichen Hindernisse wahrnehmen.
Wir können üben. Immer und überall. Der Kreis des Weges kann in nahezu jeder Situation vollendet werden. Und erst, wenn wir den Pinsel hierzu nie mehr aus der Hand geben, werden wir zu dem werden, wie wir wirklich sind.

„Ja, es gibt verschiedene Stufen des Erwachens. Es gibt große und kleine Einblicke. Manche davon halten nur kurz, manche ein Leben lang. Letztendlich aber gibt es nur eine Form des Erwachens: erwachte Handlung“.
Sojun Mel Weitsman

Gassho,
Juen
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