Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Nov 2012

Linien

... „Zen ist für jedermann, auch wenn Du keine gerade Linie ziehen kannst. Wenn Du eine Linie ziehen kannst, dann ziehe einfach eine Linie - das ist Zen.
... Das Allerwichtigste in unserer Übung ist, unserem Stundenplan zu folgen und die Dinge mit Menschen zusammen zu tun“.
Shunryu Suzuki


Das hört sich - wie so oft im Zen - einfach an, fast ein wenig naiv. Und doch und doch...
Versuchen wir nicht andauernd, unseren „Stundenplan“ zu ändern? Weil wir ihn selbst bestimmen möchten, weil wir dies lieber möchten weil uns jenes nicht passt. Weil wir uns besser fühlen, wenn...
Hierbei verkennen wir meistens, dass unser Stunden-, unser Lebensplan ein von uns vollkommen unabhängiges Eigenleben führt. Dieser Plan ist. Er ist weder er selbst noch sie selbst, er IST. Wir können zwar an ein paar kleinen Schrauben herumspielen, wir können versuchen, ihn unseren Vorlieben und Abneigungen nach zu beugen - „dennoch welken Blütenblätter während unserer Zuneigung und Unkraut sprießt in unserer Abneigung“.

„Dem Stundenplan folgen“ bedeutet, das „Selbst zu vergessen“. „Wir“ verschwinden und werden „von zahllosen Dingen verwirklicht“.
So lange ich mich auch nur eine Sekunde auf „die anderen“ verlasse, weil „mein“ Wille gerade dieses oder jenes fühlt, werde ich verarmen. Obschon ich gerade aus dieser Sorge heraus nichts gegeben habe!

„Der Buddha-Weg reicht seinem Wesen nach weit jenseits von Kargheit und Fülle“ - dieser Stundenplan ist absolut immun. Letztendlich haben wir für unsere dauerhafte Lebendigkeit, für unser ersehntes Wohlbefinden, gar keine andere Wahl, als ihm zu folgen, bedingungslose Annahme - bedingungsloses Geben.

Das war der leichte Teil!
Suzuki verbindet ihn scheinbar arglos mit dem Aspekt des Zusammenseins - mit jenen oft nervigen Mitbewohnern meines Planeten, die mich nur allzu oft in meiner schönen Übung behindern!
Dabei ist dieses „zusammen“ nichts anderes als ein „Folgen meines Stundenplans“ - die angewandte Übung in Gemeinschaft. Nur wenn ich auch hier mit meinem Nörgel-Ich, meinem Ich-Ich, ein wenig zumindest in den Hintergrund trete, werde ich die Chance haben, ein Teil des Ganzen zu sein.
Von meinem großen Leben insgesamt und dem meiner lieben Weggefährten gleichermaßen.

Und dann: „Keine Spur des Erwachens verbleibt, und dieses "Ohne-Spur" besteht für immer fort“.

„Ihr solltet Euch auch an Euren Unperfektheiten erfreuen. So könnt Ihr Euch deutlich öfter freuen“.
Kazuaki Tanahashi


Gassho,
Juen


22a

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