Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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May 2015

Uppalavana

Die Nonne Uppalavana war eine Schülerin Buddhas, die unter anderem für ihren klaren Blick in der Sangha hoch angesehen wurde.
Eines Tages besuchte sie die Töchter eines Adligen und ermunterte sie dazu, Nonnen zu werden.
Diese antworteten: „Wir sind jung und schön und voller Leben. Es wäre für uns ziemlich hart, die Richtlinien für ethisches Handeln einzuhalten.“

Uppalavana aber antwortete: „Wenn Du sie brichst, dann brichst Du sie eben. Zunächst aber einmal: verlasst Euer Zuhause und werdet Nonne!“

Die Frauen sagten: “Aber wenn wir sie brechen, werden wir zur Hölle fahren. Warum möchtest Du, dass wir dorthin kommen?“

Uppalavana antwortete: „Nur zu, dann kommt Ihr eben in die Hölle.“

Und dann schildert sie aus ihren wechselvollen Leben, in denen sie unter anderem ein Freudenmädchen und eine abtrünnige Nonne gewesen sei. Später, in ihrem jetzigen Leben, sei sie eine Schülerin Buddhas geworden.
Und so habe der Verdienst, die Richtlinien in einem ihrer früheren Leben einmal empfangen zu haben, ihr Erwachen heute ermöglicht. Wenn sie diesen Schritt in der Vergangenheit niemals getan hätte, wäre sie heute nicht jemand, der den Weg erlangt hätte.

Nicht selten besteht eines der Argumente, sich nicht mit Überlegungen der Vorbereitung auf Jukai zu befassen darin, dass wir uns die Einhaltung der Richtlinien nicht zutrauen. Und weil wir dies nicht tun, lehnen wir den gesamten Prozess, der uns unter anderem zu einem tieferen Verständnis der Grundpfeiler unserer Praxis führen würde, von vorneherein ab. Mit anderen Worten: unser negatives Bild von uns selbst hindert uns daran, es zu verbessern, bzw. uns eventuell sogar vom Gegenteil zu überzeugen.
Das ist schade und doch so weit verbreitet, gerade unter Frauen.

Im Zazen lernen wir, Mal für Mal, dass es nahezu keinen körperlichen oder seelischen Zustand gibt, dem wir nicht gewachsen sind.
Der Beweis: wir kommen immer wieder, wir bleiben sitzen!
Wir lernen, dass es nahezu keinen körperlichen oder seelischen Zustand gibt, der sich nicht verändern wird - von alleine.
Wir gewinnen auf diese Weise zunehmend an Vertrauen in unser Potential, in die Umsetzung unserer Wünsche, in die Gestaltung von Aspekten unseres Lebens, die uns besonders wichtig sind. Und natürlich werden wir auch „scheitern“, mal weniger schmerzhaft und manchmal leider äußerst schmerzhaft.
Wenn wir uns selbst jedoch nie strecken nach dem, was wir uns heimlich zutiefst wünschen oder in anderen bewundern, berauben wir uns eigenhändig der Möglichkeit von Glück, Zufriedenheit und Abenteuer.
Es sind nur selten „die anderen“. Es ist viel häufiger unser eigener Kopf, der uns so tief leiden lässt.
Dank der Kraft des Dharmas können wir ihn weichspülen, so dass er sich ausbreiten kann in alle zehn Richtungen.
Dank des Geschenks der Sangha können wir uns in den verschiedensten Aspekten der Umwandlung unterstützen und ermutigen. Dank der Gaben Buddhas dürfen wir tauschen und schmecken, schenken und annehmen, weitergeben und empfangen.

Gassho,
Juen

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