Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Jun 2014

Dana Paramita

Dana, das freie Geben, wird immer wieder als höchste Tugend in unserer Praxis genannt. Das erste Paramita ist weit mehr als eine Schachtel im Zendo-Eingang.

Der Buddha sprach oft über Dana und den Geist, der ihm zugrunde liegen sollte: „vor dem Geben sei der Geist des Gebers glücklich, während des Gebens friedlich, nach dem Geben fühlt er sich gut, erfrischt an“.

Im Mahayana betonen wir die „leeren Schalen“ - zwischen einem Gebendem, der abgibt und einem Empfangendem, der die offene Hand ausstreckt.

Ob wir uns als großzügig bezeichnen oder nicht, ob wir gerne geben oder lieber warten, bis uns jemand etwas gibt - wir empfangen ständig: Nährstoffe, Sauerstoff zum Beispiel. Und wir verwenden, wir geben ab.
Im Oryoki kommt dies sehr anschaulich hervor: unsere leeren Schalen werden empfangen, gefüllt, geleert und wieder abgegeben. Eine große Bewegung, in der wir sowohl Geber als auch Empfänger sind.

Ich kann besonders dann großzügig sein, mit meiner Zeit, mit meinen Sinnen, mit meinen Talenten, wenn ich das feste Vertrauen kultiviert habe, dass mir im gegenwärtigen Moment alles zur Verfügung steht, was ich jetzt gerade brauche. Freigebigkeit bedeutet, dass ich etwas verteile und das ist unmöglich, wenn ich nicht dankbar bin für das, was ich insgesamt habe.

Hier kommt gelegentlich ein schlechtes Gewissen auf. Ich möchte dies oder jenes, aber es bleibt mir versperrt. In mir sagt es: „Reg Dich ab, anderen geht es viel schlechter. Du solltest dankbar sein!“. Da ist es wenig hilfreich, mir „Dankbarkeit“ vorzusagen. Sie wird meinen Kopf erreichen, mein Herz aber nicht. Vielmehr könnten wir Metta üben mit jenem Teil, dem gerade etwas vorenthalten wird.

„Das junge Gras – ich kann mich nicht beherrschen, es zu küssen!“

Kobayashi Issa beschreibt nichts Außerordentliches: hellgrünes Gras im Frühling. Gerade in dieser Jahreszeit schenken uns Blumen, Bäume, Vögel, Insekten scheinbar grenzenlos ihr Leben. Ihr Leben, das ist singen im Morgengrauen, Blätter entwickeln im Frühling, blühen im Sommer.

Dogen nennt dies Übung-Erwachen des BuddhaWeges: „etwas zu erlangen, bedeutet, es voll und ganz zu erfahren“. Selbst beim Geben, vor dem wir oft eher zurückschrecken, weil wir denken, es würde uns etwas weggenommen, müssen wir eigentlich nichts tun. Nur vollkommen unser Leben ausfüllen, präsent sein; sehend, tastend, riechend, schmeckend, hörend. Einfach zu sein ist vollkommen ausreichend. Es ist nicht nur ausreichend, es ist die Essenz jeden Danas.

Wisse: Wasser ist Leben. Wisse: Himmel ist Leben. Vögel sind Leben und Fische sind Leben. Leben muss der Vogel sein und Leben muss der Fisch sein. Du kannst noch darüber hinausgehen. Es gibt Übung-Erwachen, die alles Leben, begrenzt und unbegrenzt, mit einschließt.
Genjokoan

Gassho,
Juen


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