Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Jun 2012

Gegebenes


Herumwandernd auf diesem Bergpfad,
erfüllen die Veilchen mein Herz
mit unermesslicher Dankbarkeit.

- Matsuo Basho -


Scheinbar unbeachtet blühen die Blumen am Wegesrand und geben ihr Bestes. Sie fragen nicht danach, wer sie sieht oder wie viel sie dafür zurückbekommen oder ob sie nicht etwas Blüte aufsparen sollten für kommende Jahre oder ob ihr Nachbar vielleicht weniger blüht oder mehr, so dass man sich selbst nicht so anstrengen muss. Sie fragen nicht, ob sie vielleicht heute schon genug geblüht haben und andere den Vorrang haben sollten. Sie blühen einfach, alle gemeinsam. Sie schenken, frei und sorglos, alles, was sie haben. Weil sie nur so bezaubernd blühen können, da sie sich keine Sorgen um sich selbst machen. Weil sie wissen, dass letzteres nur zu verdorrten Zweigen und stacheligen Ästen führt. Sie aber möchten gesehen werden und erfreuen. Sich und andere. Weil Blühen ihr Wesen ist. Weil Blühen den intimsten Ausdruck dessen darstellt, was sie in jenem Moment sind. Weil sie nur durch ihr Blühen ihre Natur sprechen lassen können.
Ihre Natur: Dankbarkeit und Lebensfreude, Lebensfreude und Dankbarkeit.


Der Buddha hat zeit seines Lebens immer wieder die hohe Bedeutung des ersten Paramitas, der Freigiebigkeit erwähnt.

Freies Geben, das bedeutet ein Geben, das nicht dem Verstand folgt, sondern unserem Herzen. Unser Herz hat die Fähigkeit zur grenzenlosen Freigiebigkeit, woraus grenzenlose Freude entstehen kann. Denn das war einer der Gründe, es immer wieder zu erwähnen: nicht der kleine Aspekt, welcher die konkrete Unterstützung seiner Mönche im Sinn hatte. Sondern unsere Zufriedenheit, unsere Angstfreiheit gegenüber völlig unbegründeten Verarmungsängsten, unser Glück.
Nichts weniger sind wir uns selbst und diesem fortwährend geschenkten Leben schuldig.


Echte Wohltätigkeit entsteht nur dann, wenn es keine Vorstellung gibt von Gebenden, Gegebenem oder Geschenktem.

- Der Buddha -


Gassho,
Juen

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It‘s all in the mind...

Im Anschluss an unseren Sanghatag sitzen wir einander gegenüber und signieren ein Buch, das irgendwie auch meinen Namen auf dem Buchdeckel trägt. „Ein Versehen“, denke ich, beinahe erschrocken und betrachte den Stift wie einen völligen Neuling. Ein Versehen, fast so wie die sinkende Sonne, welche durch ihr Schattenspiel die Anzahl der Wartenden zu einer großen Versammlung erhebt.
Für einen kurzen Moment erinnere ich meine ersten Fragen, damals vor etwa fünf Jahren, über einen Mönch namens Ryokan. In einer kleinen Küche an einem wackeligen Tisch saßen wir einander gegenüber und während ich wirklich nur die Übersetzung von ein paar Gedichten im Kopf hatte, schauten mich jene unergründlichen Augen kurz an und verkündeten beim Abräumen der Kaffeetassen scheinbar beiläufig: „Let‘s make a book out of this“.
Immerhin ahnte ich damals schon, dass ein Ablehnen genauso wenig hilfreich wäre wie ein Ausmalen der damit verbundenen Arbeit.
Ungläubig verfolgte ich in den kommenden Monaten die ankommende Ryokan-Literatur, nur ihre schönen Stempel deuteten auf den jeweiligen Aufenthaltsort des vielreisenden Absenders. Fortan, in jeder freien Minute, gab es Gedichte, gab es Fragestunden, oft mit erheblicher Zeitverschiebung, die ihn ohnehin nie zu stören scheint.
Und doch ist diese kleine Episode kennzeichnend für vieles, was Kazuaki Tanahashi ausmacht: Grenzenlosigkeit, Unerschrockenheit und eine schier umwerfende, eigentlich eher langsame, aber unerschütterlich konstante Geschwindigkeit, die keinerlei Schranken zu kennen scheint: „It‘s all in the mind...“.
Juen

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