Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Jan 2014

Krieg und Frieden

Rechte Einsicht oder rechte Anschauung, rechte Absicht oder rechte Gesinnung, stellen zwei Glieder des Achtfachen Pfades dar. Dieser bildet ein zentrales Element in allen buddhistischen Schulen. Die Vierte Edle Wahrheit, die zum Erlöschen unseres Dukkha führen soll, beinhaltet die Lehre vom Achtfachen Pfad.
Dieser führt in den drei Grundbereichen „Weisheit“, „Ethische Grundlagen des Handelns“ und „Meditative Versenkung“ die verschiedenen Aspekte des Trainings an, die wir auf dem Weg der Befreiung betrachten können.
Die ersten beiden Glieder beziehen sich auf unsere Motivation. Ob bewusst oder „unbewusst“ - unser Tun entspringt nur äußerst selten einem baren Nichts. Sehr viel häufiger stellen wir die Weichen hierfür bereits viel eher - wir „richten unseren Kompass aus“ wie Jack Kornfield es nennt.
In unserer Tradition beginnt daher das Tun bereits mit den Vorbereitungen unserer Handlung, die sich oft sogar mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung zeigen mag. Unter dem Aspekt der Praxis ist kein Unterschied zwischen unseren Gedanken und deren Umsetzung.
Daher ist die grundsätzliche Frage, wohin ich mein Leben ausrichten möchte, immer wieder aktuell.
Sie kann philosophisch betrachtet werden. Oder unter dem Aspekt der Empfindungen. Das macht Spaß, aber außer einem kurzweiligem, „guten Gefühl“ wird nicht viel bleiben. Natürlich möchten wir uns alle immer wohl fühlen. Wir möchten, dass alle uns lieben und dies auch ständig sagen und wir selbst sowie alle die wir mögen, bleiben für immer rundherum gesund.
Leider sprechen die „Vier Betrachtungen“ eine andere Sprache und unsere Erfahrung mittlerweile wahrscheinlich auch.

Wie können wir daher den obigen Geisteszustand anstreben, obschon wir:
1. sterben werden
2. alt werden
3. krank werden
4. uns trennen müssen von denen, die wir lieben?

Nicht ohne Grund steht die Motivation, Anschauung und Gesinnung, auf dem Weg zur Freiheit ganz oben. So wie eine Fahrt mit der Ausrichtung beginnt, sollten wir unsere eigene Lebenslinie immer wieder hieraufhin überprüfen.
Stimmt meine Position? Bildete sie die Grundlage meines Handelns? Steht sie bei allem, was ich tue, immer als feste Basis im Hintergrund? Trägt sie mich, in „guten wie in schlechten Zeiten“?
Als Boddhisattvas haben wir es leicht: wir sind hier, um zu helfen. Uns und „anderen“.

Doch was ist, wenn mich meine Freundin gerade hintergangen hat, ich mich körperlich so gar nicht wohl in mir selbst fühlen kann, mein Chef mich völlig zu unrecht beschuldigt oder mein Geld knapp wird?
Wir können uns in derartigen Akutzuständen oft nur schwer an unsere Praxis erinnern. Manchmal schlagen wir auch sofort um uns und machen alles nur noch schlimmer. Unsere gesamte Praxis scheint „verschwunden“, fremd und fern.
Oder wir suchen Schuldige. In irgendeinem anderen oder „der bösen Welt“ wird man meistens fündig. Hilfreich für unser armes Herz ist das alles nicht. Wir haben uns selbst verlassen, wir sind aus der Einheit in die Polarität gerutscht. Und leiden wie verrückt. Oft noch mehr als vorher.
Wenn wir dann nicht eine eingeübte innere Bewegung haben, die uns, vollkommen ohne den Einsatz unseres Kopfes, dazu bringt, loszulassen und uns wieder in das Boot der Übung einzuschiffen, dann stecken wir erst mal ziemlich fest.
Was wir dann tun können, was wir nahezu immer tun können, wenn unsere Rettungsanker versagen:
wir können ... warten. Abkühlen. Nichts tun. Luft holen. Den Mund schließen. Die Hände in Gassho bringen, zumindest im Geiste. Aus dem Fenster schauen. Unsere Füße betrachten ...

Unheilvolles Karma kann auch stoppen. Es kann bei uns enden. Irgendjemand muss damit beginnen. Irgendwann. Und warum nicht wir, die wir, so scheinbar zufällig, auf diesen wunderbaren Weg der Freiheit gestolpert sind oder wurden?

Wir können uns immer daran erinnern, dass der gegenwärtige Moment alles, was wir brauchen, für uns bereit hält. Wir können uns immer daran erinnern, dass es unsere Ausrichtung, unsere Absicht ist, die letztlich zählt. Und wir können uns immer daran erinnern, dass wir die Wahl haben zwischen Krieg und Frieden in jeder Sekunde unseres zwar kleinen und kurzen, aber unendlich reichen und einzigen Lebens.

Die Bewegung des allgemeinen Lebens besteht nicht in der wachsenden Stärke und Zunahme des Kampfes der Wesen untereinander, sondern im Gegenteil in der Verminderung der Uneinigkeit und der Abnahme des Kampfes.
Tolstoi


Gassho,
Juen

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Neujahresfeier Kaiko-An

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Ein neues Jahr

Wieder ist ein Jahr vergangen und abermals hat uns das zarte Band des Dharmas durch viele Augenblicke getragen, verbunden und begleitet. 
Wir danken allen, die mit uns den Raum zum Zazen geteilt haben, allen, die unsere Sangha unterstützt haben, allen, die diese Seiten besucht haben - bekannt und unbekannt, für Euer Kommen, Euren Beistand und Euer Interesse.
Hoffen wir, dass wir auch in diesem Jahr weiterhin zusammen üben dürfen. Hoffen wir, gesund zu bleiben -  in der Übung und im Dienst füreinander und für diese Welt!

Gassho,
Eure Juen und Nanzan


2014

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