Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Dec 2012

Zu neuen Ufern

Wir wünschen allen Sangha-Mitgliedern, Zen-Interessierten, Zufalls-Bekanntschaften, allen Blog-Leserinnen und Lesern - bekannt und unbekannt:

Fröhliche Weihnachten und ein in rundherum gesundes Neues Jahr!

Vielen Dank für Eure praktische und hautnahe, Eure virtuelle und ideelle Unterstützung in 2012.

Seit einigen Monaten entsteht, in jenem Landstrich nahe der Küste, der sich „Dänischer Wohld“ nennt, eine neue Bleibe für unsere Sangha. Wir hoffen, dass dies ein guter Ort der Übung werden wird und wir das finden, was für die "wandernde Wolke", die jeden Zen-Menschen trägt, so wichtig ist: ein Zuhause, ein festes Zuhause - ein geschützter Raum. Diesen in uns stetig zu erweitern, ihn sorgsam zu pflegen und großzügig nach außen zu tragen, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben.

Wir freuen uns, wenn Ihr uns hierbei weiterhin begleitet - in welcher Form auch immer.

Gassho, Juen


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Die Familienaufgabe

Wenn Du echte Reife verwirklichst, dann kannst Du ganz natürlich und leicht inmitten der zehntausend Wandlungen reisen, ohne sie zu berühren und ohne Dich von ihnen abzuwenden... Ob Du Äußerlichkeiten loslässt oder sammelst: beende alles Undichtsein. Solch ein Mensch kann die Familienaufgabe erfüllen.
Hongzhi


Aus dem Blickwinkel des Zen ist klar, welche Familie hier gemeint ist: die Bodhisattva-Familie, deren Gelübde es unter anderem ist, alle zu retten und selbst ein Buddha zu werden. Deswegen üben wir, dafür üben wir.
Hierfür müssen wir erwachsen werden - ein Vorgang, der nicht zwingend mit einem Zuwachs an Jahren verknüpft ist. Denn erwachsen werden bedeutet, so zu werden, wie wir gemeint sind. Das ist sehr oft etwas ganz anderes, als das, was wir gegenwärtig in uns vorfinden oder vielmehr - was wir glauben, zu sein.
Der Zen-Lehrer Norman Fisher umschreibt es folgendermaßen: „...es bedeutet, offen zu sein und empfänglich, sich inspirieren zu lassen, ein liebevolles Herz zu kultivieren, Durchhaltevermögen zu haben, nach Stabilität zu streben. Es bedeutet: Vertrauen in die Welt und in uns selbst“.

Das ist die eine Familienaufgabe und sie ist wahrlich nicht klein. Darüber hinaus gibt es noch unsere Familie als Nation, wir alle tragen unser Karma, als Deutsche, als Europäer, als Erdbewohner. Auch hierin sind wir aufgerufen, zu schauen, zu schauen und nochmals zu schauen.

Die andere Familie, die hier auch mit gemeint ist, betrifft unsere persönliche Geschichte, unsere eigene Familie. Bevor wir uns ihrer nicht wirklich und gründlich angenommen haben, werden wir nicht dauerhaft zufrieden und glücklich sein. Wir alleine tragen die Verantwortung, unheilsame Züge zu beenden, unheilsames Karma zu erkennen und nicht zu wiederholen. Wir alleine - weil wir den Schlüssel, weil wir das Werkzeug dazu haben. Es ist uns auf wundersame Weise zugefallen, woran auch die Generationen vor uns beteiligt waren.

Diese Aufgabe erfordert viel Geduld (sechstes Paramita) und viel Mut, denn die eigene Familie ist etwas ganz besonderes! Alle Theorien und beste Vorsätze scheinen nur allzu oft an ihr abzuprallen und gerade deswegen ist sie ein so gutes „Feld des Glücks“ und der Befreiung für uns.

Es gibt in jeder Familie Unheilsames, was endlos, für Generationen, weitergetragen wurde bis hin zu uns selbst. Unsere Praxis gibt uns die einzigartige Möglichkeit, dieses Karma aufzuheben, anzuschauen und letztendlich loszulassen - es aufzulösen.

Hiermit heilen wir nicht nur auf fundamentalste Weise uns selbst, sondern unsere Eltern, Großeltern und weit jenseits davon. Hiermit bereiten wir einen Weg in die Zukunft - für uns und für kommende Generationen.
Es ist möglich, durch die Kraft dieser einfachen, schlichten Übung, die Vergangenheit zu heilen, die Gegenwart zu erhellen und die Zukunft auf gute Weise vorzubereiten.
Das ist Erwachen. Das ist: Erwachsenwerden.

Gassho, Juen


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