Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Von Yin und Yang und Wort und Klang

In dem Augenblick, in dem wir vom Kissen aufstehen, entsteht Klang - wir rascheln, es bewegen sich unsere Füße auf dem Holzboden beim Kinhin in Schleswig, usw.

Noch deutlicher wird es, wenn wir uns am Ende über unsere Übung austauschen. Dann werden wir angehalten, diese in Worte zu fassen, was nicht leicht ist. Doch ohne Sprache, ohne ein Mitteilen unserer unmittelbaren Erfahrung, wird auch unser Zazen mit der Zeit stumpf werden.

Nur das gesprochene Wort schafft Realitäten. Das, was in unserem Kopf, diesem oft schier undurchdringlichen Dickicht, vorgeht, bleibt so lange vage und auf oft fatale Weise „real“, da nicht hinterfragt, bis wir den Mut aufbringen, das bisher verborgene anzuschauen oder anschauen zu lassen.

Oft können wir erst dann sehen, was sich für seltsame Dinge in unserem Oberstübchen tummeln - Urteile, Ansichten und Geschichten aller Art, „man“ -Sätze. Das meiste davon stimmt nicht. Es stimmt so lange nicht, wie wir es verbergen oder vermeiden, es anzuschauen. Auch deswegen ist Zen so schlank, so unbequem, so anti-Komfort.

Erst das Wort im Raum ermöglicht uns, dieses und den damit verbundenen Sachverhalt in die Hand zu nehmen und zu beleuchten - das Licht inwärts zu richten und nach einer Runde Entspannung wieder auszuknipsen wird uns nicht dauerhaft glücklich machen.
Erst das allen Betrachtern, inneren und äußeren, zur Schau gebrachte Wort kann wieder abgelegt werden. Dazu dient unser Zazen.
Es ist eine fortwährende zirkuläre Bewegung.

Kyosei fragte einen Mönch: „Was ist das da draußen?“
Der Mönch antwortete: „Regentropfen“.
Kyosei sagte: „Die Menschen verdrehen alles. Sie irren darüber, wer sie sind und rennen den Dingen hinterher.“
Der Mönch fragte: „Wie steht es mit Euch, Meister?“
Kyosei antwortete: „Ich habe mich beinahe verloren“.
Der Mönch antwortete: „Wie bitte?“
Kyosei sagte: „Der anfängliche Durchbruch mag einfach sein. Nicht aber das, was danach kommt.“

Hekiganroku

Vor den Worten jedoch, weit vor ihrer Entstehung und dem Beachten von so komplizierten Dingen wie Grammatik und Kommunikation, ist Klang. Klangmeditation kann uns sehr schnell in den gegenwärtigen Augenblick zurückbringen.
Unser Atem: Klang. Unser Körper: Klang. Unsere Umwelt: Klang.
Manchmal kann uns selbst ein Husten oder Niesen schneller in die Gegenwart zurückbringen als andere gedankliche Klimmzüge. Jeder Musiker weiss: Spielen und Denken gehen nicht zusammen. Der Ton der einen Hand kann nur entstehen, wenn alles in uns Klang wird, schwingt.
Unsere Buddha-Natur, unser Wahres Ich, sind nichts anderes.

Gassho, Juen

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