Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Ein Zen-Berg zu Besuch an der Küste: Hozan Alan Senauke

Ein letzter Blick zurück: Fenster geputzt, Vorgarten geharkt, Essensliste am Kühlschrank, Fragen im Kopf - wir brausen los, winken erleichtert bei der Arbeitsabzweigung und fahren weiter, immer weiter, bis in die an diesem Montagmorgen sonnige Stadt an der Alster. Dort parken wir vor einem ansehlichen Hotel am Jungfernstieg. Ich gehe in die weitläufige Halle, schaue mich um - und halte inne. Etwas ist anders als in den sich oft verloren anfühlenden Eingangsbereichen eines Großstadthotels - etwas Weiches, Samtenes liegt im Raum.
An einem Tisch unterhält sich eine Gruppe tibetanischer Mönche mit einigen Laien. Daneben beherbergt ein riesigen Ledersessel einen älteren Herrn mit buschigen Augenbrauen, der sein I-Pad bearbeitet. „Oh“ sagt er zur Begrüßung. „Weißt Du, seine Heiligkeit ist gerade abgereist.“ Wir verbeugen uns voreinander, was sich in dieser Umgebung keineswegs seltsam anfühlt, und gehen zum Auto.
„Wo fahren wir eigentlich hin?“ fragt Alan beiläufig, während wir das Gepäck verstauen. Wir beide schauen uns an und finden keine Antwort.

Zuhause angekommen, wird zunächst einmal alles einer Generalinspektion unterworfen. Nach den Verbeugungen im Zendo - „Hmm, guter Raum“ - und unserem Bodhi, den der Burmabereiste sachkundig mustert, haben es Alan Senauke besonders unsere Instrumente angetan. Noch vor allem anderen werden Klangton und -Farbe der Doan-Instrumente einer musikalischen Gehörprobe unterzogen, wobei sogar die Brille aufgesetzt werden muss, um die jeweilige Herkunft der einzelnen Bestandteile unserer Rezitation zu mustern. Zufrieden widmet er sich danach Zazen-Glocke, Han und dem Rest des Hauses.

Es folgten dreieinhalb gefüllte Tage mit morgendlichem Zazen, Besuchen bei Sangha-Mitgliedern, Erkundungsfahrten in unsere schöne Umgebung, inklusive der Zazen-Räume in Schleswig sowie zwei Sangha-Abenden in Gettorf.
Alan Senauke, Vize-Abt des Berkeley-Zen Centers, dessen Dharma-Name „Form“ und „Leere“ vereint, ist ein traditionsbewusster Lehrer. Viele unserer Gespräche kreisten um die Herkunft unserer Praxis und deren mögliche Integrationswege in den westlichen Lebensraum. Seit über fünfundzwanzig Jahren lebt Alan mit seinem Lehrer, Sojun Mel Weitsman Roshi und deren Familien in diesem Zentrum. Mel Weitsman diente lange Jahre als Co-Abt des San Francisco-Zen Centers und gründete 1967 das Berkeley-Zen Center.
Unbenommen dieser alten Form des Miteinanders in der Übung und jahrzehntelanger Erfahrung im Dharma: wir konnten mehrfach seine kreative, sowohl praktische als auch sympathisch menschliche Art im Bezug auf die Interpretation von Dharma-Texten oder Zen-Formen zu bestaunen.
Genauso wahrt Alan in seiner Musik die Tradition, gibt ihr aber in seiner persönlichen Interpretation eine eigene Note und hält sie hiermit lebendig.

...Wenn der Weg dem Weg anvertraut wird, erlangen wir den Weg. Wenn wir den Weg erlangen, dann wird der Weg ohne Fehl dem Weg anvertraut.
...Wir schenken uns uns selbst und andere den anderen.

Dogen, Bodaisatta Shishobo

In unserer Übung werde ich selbst mir selbst geschenkt. Ohne Fehl, was auch bedeutet: mit allen Ecken und Kanten - wettergegerbt, gebraucht, mit einem Sprung versehen, unförmig.
So wie weder geben noch empfangen alleine ausreichend sind, ist es auch nicht genug, nur nach innen zu schauen. Schauen und Handeln sind eins - samana-arthata (pali) - doji (zusammen-arbeiten) bedeutet „nicht gegen andere zu sein, im Einklang mit sich und anderen zu leben.“ Es bedeutet auch: eins zu werden mit der Handlung, die ich gerade ausführe. Das schließt mein Versagen ebenso ein wie die Überwindung von Widerständen.
Die Übung besteht darin, wie ich gebe, wie ich schenke und was. Das ist meine Verantwortung als Mensch. Dies steht im Kern unserer Praxis.
Wir alle haben es letzte Woche gesehen.

Gassho,
Juen



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