Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Geben ist Nehmen

Niemals
werde ich es verkommen lassen
mein Leben in Verzicht
für den Buddha
für das Dharma.


Ryokan


Im Rahmen unseres letzten Sanghatages haben wir uns auch mit einem der zahlreichen Gedichte Ryokans beschäftigt, welches „Takuhatsu“, den traditionellen Bettelgang japanischer Mönche, zum Thema hat.

Für Ryokan bedeutete die tägliche Runde in seine Umgebung Übung und Lebenserhalt zugleich.
Die wenigsten von uns werden jemals in der Lage sein, um ihr Essen betteln zu müssen. Die Haltung, mit welcher Ryokan diese für ihn lebensnotwendige Routine aufrechterhielt, kann uns allen jedoch etwas über unsere Einstellung zu Alltagsdingen sagen - einschließlich unseres Arbeitsalltags.

Wie wir aus zahlreichen Gedichten und Anekdoten wissen, machte Ryokan keinen Unterschied in der Auswahl seiner potentiellen Unterstützer - „ob Sakeladen oder Fischhändler, ich besuche sie alle“. Mit „aufrechtem Blick ehrlicher Augen“, ging er seine Bettelrunde, in einer Grundhaltung der Dankbarkeit. Daher gelang es ihm auch, „einen Stapel Schwerter“ zu brechen - indem er weder dem einen hinterher jagte - zum Beispiel der Aussicht auf leckere Kost vor einer bestimmten Tür - noch das andere vermied, wie Besuche vor Häusern, die sich unten auf der Sozialskala befanden.Trotz Wind und Wetter, mit einer manchmal leeren, manchmal gut gefüllten Schale, lebte er mit Gleichmut durch alle seine Umstände, ohne sich von ihnen überwältigen zu lassen.

Ohne Anhaften, ohne Vermeiden - dem jeweiligen Augenblick gerade und aufrecht gegenüberzutreten, stellt eine der Grundlagen buddhistischer Übung dar. Takuhatsu und Zazen waren für Ryokan das gleiche - „nur sitzen“. Ohne Erwartung auf tiefes Erwachen, ohne Vermeiden von Verblendung. Die Straße heruntergehen und dankbar annehmen, was gegeben wird:
eine Haltung, mit der Fegefeuer damals wie heute versiegen werden: „wacher Füße Schritte löschen langsam kochende Hitze“.

Ryokan gab den Adressaten durch sein Betteln auch die Gelegenheit, selbst zu geben und so ihre Großzügigkeit zu beweisen, eine der ersten Tugenden in der buddhistischen Lehre.
So wurden alle zu Beschenkten - er selbst durch die Gaben an ihn und die Gebenden durch deren Verwendung zur Erhaltung des Dharmas.
Wo wäre ich ohne Dharma? Wie kann ich es bewahren - für mich und andere?
Je mehr ich schenke = je weniger ich unterscheide, umso weniger werde ich leiden und umso wohlhabender werde ich sein.
Wenn wir derart durch unser Leben gehen - es zumindest versuchen -, wird unsere Schale immer gut gefüllt sein.

Gassho, Juen


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