Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Heute: Gassho

Bestimmte Dinge können wir nicht oft genug erklären. Erst durch Worte, selbst formuliert und aus eigener Erfahrung entstanden, bekommt unsere Praxis ein Gesicht.

Gassho, wörtlich „gatsu-sho“ bedeutet „Hände zusammen“. Es wird manchmal auch als das reine Mantra der drei Karmas von Körper, Geist und Mund bezeichnet. Ein japanischer Zen-Lehrer spricht von Gassho als den „Drei Schätzen, die sich selbst in allen Dingen erkennen“.
Von den vielen Formen, die es im Zen gibt, ist das Gassho vielleicht die wichtigste. Es gibt mehrere Arten des Gassho und zahlreiche Gebräuche - wie Respekt zollen oder Achtsamkeit üben, zum Beispiel.
Im Gassho fügen wir zusammen - linke und rechte Seite - absolut und relativ, gut und schlecht, oben und unten. Dies ist ein aktiver Vorgang, denn nur durch uns kann der Wirklichkeit Ausdruck verliehen, können Einheit und Vielfalt zusammengefügt und verwandelt werden.
Ein Gassho, trotz aller „Vorschriften“ - s.u. - ist daher in höchstem Maße kreativ: wir erschaffen es, wir drücken aus. Übung und Erwachen in einem.
Die einfache Geste das Gassho bedeutet Anerkennung dieser wesentlichen Einheit: Übung ist Erwachen, relativ ist absolut. Absolut ist relativ. Das Selbst ist das Nicht-Selbst.
Es findet seinen Ausdruck in unserem Körper, in der Zeit, in der wir leben.
Das Verwobensein aller Dualitäten, unsere Verbindungen innerhalb unserer selbst und zueinander sind alle enthalten in diesem Gassho.

Anleitungen für ein Gassho gibt es viele, manche davon sind sehr detailliert. Wir bringen unsere Handinnenflächen zusammen, erlauben dabei kein Überkreuzen der Finger und auch keinen Zwischenraum zwischen den Fingern. Beim stehenden Gassho zeigen die Unterarme parallel zum Fußboden. Wir blicken auf unsere Fingerspitzen und konzentrieren uns auf die Mulde in der Handinnenfläche.
Wir bringen unseren Körper und Geist zur Ruhe, lassen ihn einspitzig werden und friedvoll.
Würden wir jedes Mal, wenn wir unsere Hände in Gassho zusammenfügen, dies tun, so hätte dieses kleine Gassho immense Auswirkungen nicht nur auf unser Leben sondern auf das jener, denen wir unser Gassho entgegenbringen, belebten und unbelebten Wesen.

Gassho bedeutet: Verbundensein. Auch mit unserer Tradition, die aus Japan stammt. Verbundenheit mit einem Land, das dem unsrigen in seiner Kultur und Ästhetik so fern ist, in seiner Nachkriegsgeschichte und seinem Karma so verwandt.
In einer Welt, in der wir, nicht zuletzt durch die Medien, die uns auch diesen Blog erlauben, immer enger zusammenrücken, in der Lebensweisen - zumindest im „Westen“ - sich immer mehr ähneln, berührt uns das Schicksal derer, die uns diese Übung weitergereicht haben, ganz besonders.
Niho Roshi und seine Familie, die Klosteranlagen von Entsuji, unser Freund Masahiro Miyake und die seinen sind unversehrt.
Sie sind in großer Sorge.
Wir denken viel an unsere japanischen Freundinnen und Freunde.

Gassho.

Juen



Bis wann 
soll ich trauern?
Wie auch immer ich trauere -
kein Ende -
mein Kopf ganz verloren.

Ryokan


stone

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