Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Ruf mich mit meinem wahren Namen...

Wenn wir etwas beim Namen nennen, dann beginnt eine Geschichte zwischen uns und dem jeweiligen Objekt. Der Klang eines Namens, ob er häufig ist oder selten und vor allem, welche Assoziationen er in uns hervorbringt, beeinflussen uns: unseren Körper, unsere Gemütslage, unsere Gedanken und letztlich auch unser Handeln.
Durch einen Namen wird etwas aus seiner Vagheit, vielleicht auch Unpersönlichkeit oder „Neutralität“ umgewandelt in etwas Konkretes, vielleicht sogar in etwas Persönliches.
In diesem Sinne wird das Objekt unserer Namensgebung zugleich auch zum Subjekt. Hiermit beginnt ein Eigenleben der Dinge, die wir benennen. Jemand wird gerufen, jemand antwortet. So entsteht eine wechselseitige Beziehung zwischen uns, die wir ebenfalls einen (oder mehrere) Namen tragen, und unserem Gegenüber.

Daher ist es nicht nur gute Tradition, sondern auch sehr naheliegend, ebenfalls dem Ort einen individuellen Namen zu geben, der zu unserer spirituellen Heimat geworden ist: unserem Zendo.

Es war vor etwa zwei Jahren, als wir unserem Freund und Mentor Kazuaki Tanahashi Sensei erstmalig von unserer heutigen Bleibe erzählt haben. Seine spontane Antwort war: „Ihr braucht einen Namen, und zwar einen guten!“
Somit begann die Geschichte unseres Zendos, das es in dieser Form noch gar nicht gab, weit vor seinem Umbau. Der Name hatte Einfluss auf die Planung und umgekehrt.

Keiko-An steht für Meer-Licht/Leuchten-Einsiedelei.
Einsam liegt unser Zendo und einsam in vieler Hinsicht ist unsere Praxis. Hier, in unserem schönen Norden, wo das Licht so strahlend sein kann und das Wasser so viele Farben trägt, kann es gelingen, „das Licht nach innen zu wenden, um einfach umzukehren“.
Doch: „Obgleich die Hütte klein ist, enthält sie die gesamte Welt“.

Ein Ozean des Lichts soll von unserem Zazen ausgehen. Weit sollen seine Wellen reichen.
Weit hinein in das, was uns von unserem Wahren Selbst abhält, so dass wir lernen, diese Blockierungen umspülen und zunehmend verwässern zu lassen.
Weit hinaus soll unser Zazen reichen, denn - ob bewusst oder unbewusst - wir sitzen niemals „alleine“. Unser Zazen hat die unbedingte Fähigkeit, auf andere zu wirken - wenn wir es lebendig halten, wenn wir üben wie „mit den Haarspitzen in Feuer“, wenn sich unsere Übung in unserem Handeln immer deutlicher, immer feiner widerspiegelt.
Das gelingt zunächst leichter ohne Ablenkungen, denn hier, in diesem geschützten Raum, müssen wir uns „nicht bemühen, frei zu werden“ und brauchen nicht länger „stolz die Sitze herrichten, um Gäste zu unterhalten“.

Keiko-An kann uns helfen, kann uns unterstützen in der Vision, die sich durch seinen Namen manifestiert. Dieser Raum soll für uns eine stille Zuflucht bergen und allen, die ihn besuchen möchten, ein weites, ein strahlendes Feld, bieten, in das wir immer eintauchen können. Auf dass wir irgendwann unser Zendo immer bei uns tragen und jeden Raum, jede Gelegenheit, jede Begegnung umwandeln können in ein einziges, leuchtendes Zazen.
Am vergangenen Donnerstag hat unser neues, altes Zendo für diese große Angelegenheit einen guten Namen erhalten.

Gassho, Juen


„Call me by my true name“ lautet der Titel eines Buches von Thich Nhat Hanh, in dem er seine Jugenderinnerungen schildert.

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