Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Formen und Freiheit

Jeden Tag studieren die Mönche haarklein Vorschriften und Formen,
endlos singen sie komplizierte Sutren.
Bevor sie dies tun, sollten sie lernen, wie man Liebesbriefe liest, welche uns Wind, Regen oder der Mond gesandt haben.
Ikkyu



Kreativ zu bleiben, inmitten eines alten, über viele Jahrhunderte überlieferten und gut verankerten Systems von Formen und Empfehlungen, ist nicht nur ein Ausdruck lebendiger Übung, sondern der Beweis dafür, dass wir wirklich verinnerlicht haben, worum es für uns geht.
Um Wachheit, Verbundenheit, Spontanität und Fürsorge zum Beispiel.

Ja, wir befolgen die Formen, denn sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Praxis. Sie helfen uns, das eigene Denken zu verlangsamen und unsere Aufmerksamkeit zu erweitern. Indem wir die Formen befolgen, öffnet sich unserer Geist, denn er muss sich nicht mehr mit unserem kleinen Widerstand abgeben. Er kann einfach sehen, schmecken, hören, riechen, tasten und ... tun. Er kann sich den zehntausend Dingen widmen, sie hervorkommen lassen. Er kann es ihnen gleich tun und einfach sein.
Das ist es, was Shunryu Suzuki mit „things as they are“ oder „Kontrolle im weitesten Sinne“ bezeichnet.

Nein, wir befolgen überhaupt keine Formen, denn unsere Praxis besteht darin, das „Feld des Glücks jenseits aller Formen“ zu betreten. „Jenseits“ bedeutet: bar von, ohne.
Ohne alle Formen. Ohne vorgefertigte Meinung. Ohne Anhaften. Ohne Festhalten an „Form“ und „nicht-Form“, auch an „Zen“ und „nicht-Zen“.
Es bedeutet, dass wir nicht nur intellektuell begreifen, sondern auf zellulärer Ebene verstehen, dass auch wir, unsere Körper, unser Leben insgesamt, der steten Bewegung und Veränderung unterworfen sind.
Es ist daher auch nicht erforderlich, uns an die Gegenwart, die jetzige Form, zu kleben: „mein Körper“, „mein Land“, „mein Kopf“.
Wir können die Vergangenheit genauso als Gegenwart erleben. Ebenso unsere Zukunft. Wir sind in keiner Weise immer nur auf diese jetzige Form festgelegt.

„Zeit fließt ständig von der Gegenwart in die Vergangenheit, von der Zukunft in die Gegenwart.“
Dogen Zenji, Uji


Wir sprechen von der Formenfreiheit einer sich öffnenden Hand, die alles, alles als Geschenk empfinden kann. Die darauf vertraut, dass ihr reichlich davon gegeben wird, was nötig ist, um ein Leben in der Haltung, der Freiheit und der unbändigen Freude eines Bodhisattvas zu führen. Das ist eine Form, an die wir uns immer halten können.

Gassho,
Juen

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