Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Heute neu: Ein... Aus...

„Manchmal ist der Gedanke erlangt, aber das Wort fehlt.
Manchmal ist das Wort vorhanden, aber das Denken fehlt.
Manchmal sind Wort und Gedanke beide vorhanden.
Manchmal fehlen sowohl das Wort als auch das Denken“.


Dogen, Uji


Im Johanniskloster haben wir uns am vergangenen Freitag auch über unsere Atmung unterhalten, ausgehend von einem Text von Shunryu Suzuki Roshi, in welchem er von absichtsloser Atmung spricht. Suzuki spricht vom Einatmen „ohne Mühe“ und davon, hierin ganz natürlich zu einer „gewissen Farbe und Form“ zu finden. Er spricht vom Ausatmen als einem Vorgang, während dessen wir uns „auflösen“.

Manchmal auf einem riesig hohen Berggipfel stehen. Manchmal am Grund des tiefsten Meeresgrundes gehen. So beginnt unsere Übersetzung von Dogens Uji - Sein-Zeit.
Manchmal sehe ich. Das ist meine Aufgabe. Möglichst genau, möglichst ungehindert, möglichst präzise und von meiner eigenen Erfahrung ausgehend, erlange ich einen Rundumblick. Manchmal auch nur einen Viertelumblick, aber ich übe daran. Dazu ist es notwendig, dass ich Unterscheidungen treffe, denn ohne sie kann ich nichts erkennen.

„Der große Weg ist gar nicht schwer für jene, die keine Auswahl treffen. Wenn Vorlieben verlassen werden, liegt der Weg klar und unverhüllt vor Dir“ - heißt es im Shinjinmei von Zen-Meister Sosan (um 600).

Nun die große Frage: wie kann ich sehen, unterscheiden, ohne eine Vorliebe oder Abneigung unmittelbar, meist reflexartig, anzuschließen? Hierauf gibt es viele mögliche Antworten. Die meisten haben etwas mit Verlangsamung, mit Zuhören und Lauschen zu tun.
Passt mein Urteil mit meiner Wahrnehmung zusammen?
Was ist überhaupt meine Wahrnehmung?
Wie geschieht sie?
Inwiefern verändert sie sich durch meine Bewertung?
Atme ich lieber ein oder aus?
Wenn ich meinen Atem verfolge, liegt meine Betonung auf dem Ein-, oder Ausatem?
...

Oft messen wir dem Einatmen eine höhere Bedeutung bei. Abgeben scheint schwerer. Auflösen kann beängstigend wirken, Sterben ist bedrohlich. Die Erkenntnis, dass wir leider nicht in der Lage sind, uns „aus eigener Kraft“ am Leben zu erhalten, mag zunächst schmerzlich sein. Später irgendwann, bedeutet sie eine große Erleichterung. Wir müssen nicht mehr krampfhaft nach Form und Leben Ausschau halten.
Wir können einfach verschwinden, uns ausleihen an die Große Weite. Bis zum nächsten Einatem.

Gassho, Juen


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