Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Meister! Hier!

Der Überlieferung nach wurde Shakyamuni Buddha vor seinem Tode gefragt, was sein letzter Rat an seine Schüler sei. Seine Antwort lautete: „Ein jeder ist angehalten, selbst höchste Verantwortung für sein eigenes Erwachen zu übernehmen“.
Dieser Satz spiegelt wider, worauf wir durchgehend im Rahmen unserer Praxis treffen: auf mich alleine kommt es an.

Die berühmt gewordene Geschichte vom alten Mönch, dem der junge Dogen beim Pilzetrocknen in der Mittagshitze begegnet, weist in die gleiche Richtung.
Niemand anderes kann es tun. Mit anderen Worten: ich bin für mein Leiden komplett selbst verantwortlich. Weder eine ungünstige Kindheit noch anderes Unglück, das mir widerfahren ist, können mich davon entschuldigen. Das bedeutet nicht, dass ich für meine Krankheiten, meine Armut oder andere etwaige Schicksalsschläge stets selbst verantwortlich bin. Aber ob ich daran - im buddhistischen Sinne - leiden werde, das ist vollkommen mir selbst überlassen. So überwältigend uns manchmal vielleicht unser eigenes Schicksal erscheinen mag und so ungerecht wir es empfinden mögen - wohin wir auch blicken: in jeder Familie ist mindestens ein Kind gestorben. Das fand bereits Kisagotami heraus.
Es gibt keine Entschuldigung dafür, nicht voranzugehen und unsere Komfortzone zu verlassen.

Diese Verantwortung bezieht sich auch auf die Gesundheit unserer Sangha und diejenigen, die wir als unsere Vorbilder oder Lehrer empfinden.
Auch in jüngster Zeit gab es Fehltritte von relativ bekannten Lehrern. Hinterher fragen sich viele, wieso dies „jetzt erst“ bekannt wird, wo doch „alle“ es „schon immer“ gewusst zu haben scheinen?

Fest steht, dass unsere Übung auf dem Weg in den Westen starke Veränderungen und Anpassungen durchlaufen muss, um in unserem Kulturkreis lebendig zu bleiben. Vielleicht gehört hierzu auch die traditionelle Schüler-Lehrer Beziehung, so wie sie in Asien verstanden wird.
Ein Lehrer trägt hohe Verantwortung für die ihm Anvertrauten und dies sollte sich möglichst in allen Bereichen seines Lebens widerspiegeln. Und doch: erst eine Sangha macht einen Lehrer.
Zur Frage, ob ich mit einem jeweiligen Lehrer üben sollte oder nicht, kann deswegen auch gehören, mir die Sangha-Mitglieder anzuschauen.

Wenn ich dies tue und im weiteren Weg niemals die Verantwortung für mein Erwachen abgebe, kann ich mit einem begleitenden Lehrer und einer stets um Offenheit bemühten Sangha die „Berge von Lang, die Flüsse von Li“ kaum verfehlen.

Gassho, Juen

Sesshin6

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