Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Verbeugungen

Von allen Formen, die wir im Zen haben, und es sind einige, stellen die Verbeugungen oftmals das größte Hindernis dar.

Verbeugungen gibt es in allen buddhistischen Traditionen. Eine Verbeugung geht mit einem Gassho einher.
Wir kennen im wesentlichen zwei Verbeugungen:

1. die stehende Verbeugung, in welcher sich der Oberkörper um etwa 30 Grad verneigt. Wir verwenden sie beim Betreten des Zendos oder um einander zu begrüßen.

2. die „volle“ Verbeugung, wie sie zum Beispiel am Anfang und Ende der Rezitation üblich ist. Hierbei berühren zu einem bestimmten Moment Stirn, Hände, Ellenbeugen, Knie und unsere Füße den Boden, woraufhin die parallel zum Boden gehaltenen Handinnenflächen in Höhe der Ohren angehoben werden. Man sagt, wir tragen den „kleinen Buddha“ in uns - den Weg insgesamt - auf unseren Händen und heben ihn so über unsere selbstbezogenen Bestrebungen hinweg.

Es gibt viele Gründe, sich zu verbeugen:

Respekt
Vor jenen, die vor uns gegangen sind. Ob bekannt oder unbekannt: viele von ihnen hatten ungleich größere Schwierigkeiten zu überwinden als wir, um das Dharma kennenzulernen. Ihre Linien sind endlos. Wir haben allen Grund zur Annahme, dass unsere Übung auch ihnen nicht leicht fiel, oft mit Schmerzen verbunden war, mit Langeweile, Trauer, Einsamkeit, plötzlichen unliebsamen Veränderungen...
Durch all dies hindurch haben sie diese Übung an uns weitergegeben. Einfach so.
Grund genug zum Verbeugen.

Erkennen
Mit jeder Verbeugung werden wir eins mit dem Objekt unserer Verbeugung - ein Buddha und ein Buddha. Verwandt, doch verschieden zu Werke, ein jedes an seinem Ort.
Es ist keine Verehrung von etwas oder jemandem außerhalb unserer selbst, wovor wir uns verbeugen. Wir verbeugen uns vor unserer wahren Natur, symbolisiert durch diesen Stein, den wir als Buddha erkennen.
Wir bitten, sie vollkommen erfahren zu dürfen: jenes ich, das durch Zeit und Raum reicht, jene unermessliche Energie, deren Bestandteil ich bin.
Wir verbeugen uns in dem Erkennen, dass es nur die eigene Begrenztheit, die verhindert, dass wir diese Wirklichkeit vollkommen ausfüllen und leben - andauernd. Die große Verbeugung der erwachenden Natur in diesem beeindruckenden Frühling spüren.

Mitgefühl
Sei dankbar für jeden, der kommt ... in jedem Gegenüber einen Bodhisattva sehen...
alles kann uns helfen, uns verwandeln, uns lehren, uns weiser und mitfühlender werden lassen. Kann ich mich verbeugen vor dem ungehaltenen Kollegen, dem Auto, das mich schneidet, der fordernden Mutter, den zutiefst schmerzhaften Ereignissen in meinem Leben? Oft bieten gerade Situationen, welche uns gewaltig durcheinanderschütteln, Möglichkeiten zur dauerhaften Umwandlung.

Moment
Mich einfach verbeugen, biegsamer, geschmeidiger und widerstandsfähiger werden lassen mit jeder Bewegung. Mich verbeugen voller Vertrauen darauf, dass die Erde mich halten und mein Körper sich wieder aufrichten wird. Mich verbeugen, einfach so, alleine oder mit meinen Freundinnen und Freunden zusammen als Ausdruck unserer gemeinsamen Gegenwart. Mich verbeugen vor dem Leben, das mir diese einmalige Gelegenheit, das Dharma zusammen mit anderen erfahren zu dürfen, geschenkt hat.
Mich verbeugen vor einem lächelnden Buddha. Mich einfach verbeugen.

Gassho,
Juen

spring

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