Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Wolke oder Wasser?

Am letzten Sanghatag haben wir uns noch einmal mit dem ersten Abschnitt des Satipatthana-Sutras beschäftigt, welches die besondere Achtsamkeit gegenüber dem Körper betont.
Jede Meditation in allen Traditionen beginnt mit dem Körper. Während uns zum Beispiel unsere Wahrnehmung sagt „was ich bin“, unser Gefühle sagen „wie ich bin“, gibt uns unser Körper darüber Aufschluss „wo ich bin“. Die Betonung des Körpers als erstem Ausgangspunkt aller meditativen Übungsformen liegt auch darin begründet, dass unsere Körper sich immer im gegenwärtigen Augenblick befinden. Ohne zumindest eine gewisse Präsenz ihm gegenüber, seinem Innenleben, seinem Verhältnis zum Raum und der Außenwelt insgesamt, seinem Wandel, wird unser Zazen, wird unser Bewusstsein, nicht wirklich leicht und frei werden können.
Im Satipatthana-Sutra beschreibt der Buddha zunächst die Konzentration auf den Atem und seine Dauer - ist er lang oder kurz? Hierzu benutzt er das Gleichnis vom Drechsler, der genau weiß, wann er eine kurze oder lange Drehung macht. Wenn wir dem Atem folgen, sind wir entspannt, sorglos. Getragen von unserem Atem können wir immer wieder zurückkehren und mit dem Leben, dem des jetzigen Momentes, erneut in Berührung kommen. Der Atem ist das Bindeglied zwischen Körper und Gedanken. Diese fragile und doch so beständige Säule vermag, was zahllose Therapeuten, Bücher und manchmal sogar die Musik nur mühevoll schaffen: uns auf einfache, schlichte und vor allem schnelle Art und Weise zu harmonisieren. Komplett. Eins mit dem Atem. Eins mit dem Körper. Eins.
Diese Einheit bildet eine Grundvoraussetzung für das, was der Buddha in den nächsten Schritten beschreibt: Kontakt zur Außenwelt. Hier angeführt durch Achtsamkeit im Bezug auf die Körperhaltungen, unser Tun, unsere einzelnen Körperteile.
Im vorletzten Teil wird dies in Form der Elemente in Beziehung zum Universum gesetzt: Erde, Wasser, Feuer, Luft, Bewusstsein. Wo in meinem Körper spüre ich Festigkeit? Was in mir hat keine Form? Wo liegen die Energiezentren? Was in mir befindet sich in ständiger Bewegung? Und die Frage aller Fragen - ob fest oder flüssig, ob bewegt oder unbewegt: wer bin ich?

Der Gouverneur fragte den Zen-Lehrer Yakusan Igen: „Was ist der Weg?“
Yakusan deutete nach oben. Dann deutete er nach unten.
Der Gouverneur sagte: „Ich verstehe nicht“.
Yakusan sagte: „Wolken im Himmel, Wasser in einem Glas.“
Der Gouverneur verbeugte sich tief.


Gassho, Juen
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