Wind & Wolken Sangha
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Hoher Himmel, Großer Wind

Ein warmer Frühlingsabend in Charlottenburg. Im Hinterzimmer des Traditionsbuchladens blüht ein kleiner Feigenbaum. In der Abendsonne zischen Schwalben die Backsteinfassaden hinab, auf der Schaufensterseite strömen die Menschen ihrem Feierabend entgegen. Rhythmisch rattert der einladende Dielenboden mit einer Trambahn wie aus Zilles Zeiten, versetzt dabei das kleine Nähschränkchen in Bewegung und lädt die auf ihm ruhende Avalokiteshvara ein wenig zum Tanz.

Später wird ein kleiner Mann mit wippendem Hut diese Straße herunterkommen, einen schmalen Karton mit Papier und Tusche unterm Arm. Dann wird sich in einem gut gefüllten Raum ein Kreis schließen, der sich seit nunmehr sieben Jahren weit gen Osten, weit gen Westen spannte.

Der Kreis erzählt von einem Helden des neunzehnten Jahrhunderts, welcher sich nicht scherte um Linienführung oder Purpurroben, weder um Standesdünkel noch seiner nächtlichen Tränen. Er berichtet auch von der Sprache Poesie, die mühelos Landesgrenzen und Ozeane überwindet und nahezu keine Worte der Erklärung braucht, einem Buch, das nicht geschrieben werden sollte sowie einem neuen Kreis, der sich schleichend aus den immer länger werdenden Häuserschatten in seine noch taufrische Umlaufbahn lösen wird.

Am vergangenen Donnerstag fand in Berlin eine Lesung und Kalligraphiedemonstration aus unserem gemeinsamen Buch, Daigu Ryokans „Hoher Himmel, Großer Wind“, statt.

Gassho,
Juen

kaz

bk

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