Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Geh‘ durch die Welt

Geh‘ durch die Welt und antworte auf die jeweilige Situation. Tiefes Erwachen geschieht ohne Bemühen und wirkt, ohne Spuren zu hinterlassen... Die direkten Lehren sind äußerst beständig und klar... Von diesem Augenblick an, setze sie redlich um und erlaube vergangenen Bedingungen nicht, Deine Richtung zu ändern.

Hongzhi



Natürlich. Klar. Frei. Ungezwungen. Scheinbar sorglos. Die Jacke zu kurz, die Hose zu lang - wen kümmert es? Das ist nicht nur eine Zeile aus Ryokans Gedicht, sondern auch eine häufige Beschreibung für erwachtes Leben.

„...Erlaube vergangenen Bedingungen nicht, Deine Richtung zu ändern.“

Erinnerungen. Erzählungen. Vorsichtsmaßnahmen. Wissen. Alles unnötig und zudem noch unbrauchbar: für jenen frischen, neuen Augenblick, der uns erwartungsfroh willkommen heißt und gespannt darauf ist, ob es zu einer gemeinsamen Begegnung kommen wird oder ob nur wieder ein Remake des Altbekannten abläuft.
Dem Augenblick an sich ist das völlig gleich, denn er lebt sich selbst mit und ohne uns - in ganzer Fülle, in nahtlosem Übergang seines Kaleidoskops aus Einzelmomenten.
Es liegt an uns, ob wir von ihm ein Leben lang träumen wollen durch unsere Schaufensterscheiben aus ja/nein/weiß nicht/vielleicht doch..., oder ob wir versuchen, unser Ich ein für alle Male zu schultern und uns auf den Weg zu begeben.
Es ist ein Weg, der die Verantwortung jedes einzelnen für sein Leben sowie eine Reduktion an Reizen in den Vordergrund stellen wird. Nicht, damit wir uns beschränken, sondern damit wir überhaupt erst in die Lage versetzt werden, zu schauen. Über uns hinaus zum Beispiel. Auf das, was vorhanden ist und uns zur Verfügung steht. Auf das, was wir als kostbares Gut leihweise zur Verfügung gestellt bekommen haben. Auf das, was uns wirklich trägt und hält.
Ein wahres spirituelles Leben muss frei sein von jeglichem Hinweis auf ein Ich. Nur so kann es in alle Aspekte des menschlichen Lebens einfließen.

Die meisten Bilder wirken besser mit weniger. Wir sollten es bei uns selbst auch versuchen. Und nur jene Flächen übrig lassen, die hören, sehen, schmecken, riechen, fühlen, tasten - und nur dies. Und dann einfach die Tür öffnen und gespannt warten, welche Farbe uns ruft.

Gassho,
Juen

P1010314

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