Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Erleuchtet! Oder lieber doch nicht?

Oft wird in Büchern oder Vorträgen der Begriff „Erleuchtung“ oder „Erwachen“ verwendet.
Buddha bedeutet „der Erwachte“, das Wort bodhi - aufwachen, erkennen, wahrnehmen und verstehen.
Nicht selten wird bei der Verwendung des Wortes „Erleuchtung“ impliziert, dass danach „alles“ gut sei, fast so wie in einem Märchen. Was auch mit einschließt, dass vorher alles nicht so gut war.
Es gibt nur sehr wenige Zen-Geschichten, die davon berichten, wie es den zahlreichen Heldinnen und Helden auf unserem Weg nach ihrer Erleuchtung ergangen ist. Was geschah, nachdem sie sich an der Zehe verletzten, die Tempelglocke vernommen haben oder hörten, wie ein Stein auf einen Bambus traf? Die meisten von ihnen haben sich anschließend mit genau der gleichen Hingabe dem Dharma gewidmet.

Waren sie vorher un-erleuchtet? Mit anderen Worten - ist Erleuchtung entweder plötzlich oder gar nicht?

...Nun gibt es Plötzlich und Allmählich, die Schulen teilen sich, eine jede hat ihr eigenes Maß. Wenngleich Du derartige Lehren gemeistert, die Wahrheit fließt ständig davon...

Juwelenspiegel Samadhi


Es gibt fast so viele verschiedene Stufen des Erwachens wie Wege dorthin führen.

Ein Erwachenserlebnis kann mich in einen fast überwältigenden Zustand der Erkenntnistiefe versetzen. Ich kann dabei Dinge wahrnehmen, die mir bisher vollkommen verborgen blieben. Ich kann ungeahnte Glücksgefühle empfinden, die mit nichts auch nur annähernd vergleichbar sind, was ich vorher erlebt habe - für eine Weile.
Auch das schönste Erleben dieser Art wird vorüberziehen und dann ... beginnt eigentlich erst meine Übung damit. Das Koan „Mu“ steht nicht umsonst am Anfang einer langen Reihe absurder Rätsel.
Fällt eine derartige spirituelle Erschütterung auf ungeübten Boden, kann sie sogar Schaden anrichten. Es ist daher nicht unbedingt hilfreich, auf „das“ Erwachen zu warten.
Obschon wir alle Kinder der „Südlichen Schule“ Huinengs sind - der ein „plötzliches Erwachen“ in den Vordergrund stellte - auch unser Sechster Patriarch übte nach seiner Anerkennung noch für mindestens fünfzehn Jahre, bevor er zu lehren begann.
Im Rahmen unseres Weges wird es, wenn wir dabei bleiben, bisweilen Sprünge geben. Insgesamt ist es jedoch ein eher langsam voranschreitendes Fortkommen, die vielen Schritte zurück mit einbezogen.
Wir zielen in unserer Übung nicht auf Glanzeinlagen ab. Unser Zen-Mensch trägt weder Brokatroben noch sammelt er Abzeichen.
Wir bemühen uns, in den drei Bereichen - Körper, Sprache und Gedanken - achtsam zu sein und möglichst so zu leben, dass wir dafür Sorge tragen, unheilsames Karma zu vermeiden. Je unsichtbarer unser Erwachen, desto dauerhafter wird es sein.
Das ist zum Beispiel: Freude verbreiten, Ruhe schenken und das Quentchen an Weisheit, welches uns unsere Übung soeben geschenkt hat, weitergeben.
Hierin zeigt sich unsichtbare Erleuchtung, stilles Erhellen - fortwährende Übung.

Auf der grossen Straße der Buddha-Ahnen findet immer unübertreffliche Übung statt, fortlaufend und beständig. Sie bildet den Kreis des Weges und wird niemals zertrennt. Zwischen Streben, Übung, Erwachen und Nirvana passt kein Blatt; fortlaufende Übung ist der Kreis des Weges.

Dogen Zenji, Gyoji




Gassho, Juen


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