Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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tief in den westlichen Bergen

Ende August fand in Tassajara der seit vielen Jahren von Kaz Tanahashi geleitete Kurs „brush mind“ statt, welcher in klösterlicher Umgebung Kalligraphie und Zen miteinander zu verbinden sucht.
Tassajara wurde von Shunryu Suzuki 1967 als erstes Ausbildungskloster außerhalb Japans gegründet. Nachdem Suzuki Roshi 1962 das San Francisco Zen Center gegründet hatte, machte er sich nur wenige Jahre später mit einigen seiner Schülern auf die Suche nach einem „Bergtempel“ - ähnlich jenen oft abgeschieden gelegenen Klöstern Asiens. Das Gelände selbst trägt viel an amerikanischer Geschichte: bereits der Stamm der Esselen, die Ureinwohner, benutzten ihn und seine heißen Quellen als einen Ort der Heilung. Seit 1870 ist Tassajara als „Bad“ bekannt. Das Gebiet ist riesig und mutet wie eine Stadt in sich an, auch deswegen, weil die Energie selbst erzeugt wird und der nächste (kleine) Ort etwa eine Stunde an gewundener und steiler Sandstraße entfernt liegt.
Es gibt neben dem Küchentrakt und dem Zendo eine Schreinerei, Wäscherei, Gärtnerei, Bücherei, die Badelandschaft, eine Autoreparaturwerkstatt, ein beheiztes Außenschwimmbad, eine Recycling-Anlage, einen kleinen Buch- und Geschenkladen, einen Fitnessraum, einen Friedhof und Erinnerungsgarten, Wanderwege, mehrere Aufenthaltsräume, eine neue, ausschließlich nach „grünen“ Gesichtspunkten erbaute Yoga- und Kurshalle und sicher noch einiges mehr, das ich nicht entdecken konnte.
Überall kann man liebevolle Details entdecken - handgeschnitzte Türöffner, eine kleine Vase vor einer Papierschiebetür, täglich gepflegte Öllampen entlang der gewundenen Wege, die entlang des Flusslaufes zum Zendo und den anderen Hauptgebäuden führen und welche einen auf dem Weg zum nächtlichen Zazen in eine Art Traumzustand zu versetzen scheinen.
Ja, im Zen haben wir kein Ziel und überhaupt ist Zen „gut für gar nichts“. Doch ohne die gewaltige Vision jenes kleinen, auf Photos meist lächelnden Mannes aus Japan würde es diesen einzigartigen Ort der Übung nicht geben - samt der vielen, vielen Menschen, die von Anfang an mitgeholfen haben - ob durch Steine wuchten, kochen oder den imposanten Strom an finanziellen Zuwendungen, die erforderlich sind, um diesen Ort zu zu erwerben und zu erhalten.
Tassaraja ist ein beindruckendes Beispiel dafür, was gemeinsame Übung bewirken kann. Man mag es befremdlich finden, wenn gesundheitsbewusste Kalifornier der gehobenen Mittelklasse jährlich hierher kommen, um „auszuspannen“. Man mag das Nebeneinander von zahlenden Gästen und „Arbeit für Logis“-Studenten, Zen-Schülern, Mönchen und solchen, die bereits jahrelang in Tassajara wohnen, gewöhnungsbedürftig finden.
Doch diese bunte Mischung trifft sich nur während der Sommermonate. Danach schließen sich die Tore und das Programm weist nur noch jeweils eine Winter- und eine Frühjahres-Übungsperiode für Zen-Interessierte auf.
Insgesamt bietet dieser Ort so für Menschen in den verschiedensten Lebensrichtungen und -situationen die Möglichkeit, mit der Lehre Buddhas in Berührung zu kommen. Genau das war es, was der ziel- und absichtslose Meister Suzuki im Sinn hatte: die Weisheit und das Mitgefühl aller Buddhas zu verkörpern, auszudrücken und für alle zugänglich zu machen, die den steilen Weg hierher zu finden gewillt sind.

Gassho, Juen

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