Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Dotoku

Wir haben ein weiteres Kapitel aus dem Shobogenzo übersetzt: Dotoku - Ausdruck des Weges, der Wahrheit.
Dieses Kapitel handelt davon, inwiefern und warum es so wichtig ist, unserem Weg, unserer Wahrheit Ausdruck zu verleihen, mit Körper, Geist und jenem, was dazwischen liegt.

Ein Mönch fragte Joshu:
„Welche Bedeutung hat Bodhidharmas Kommen aus dem Westen?“
Joshu antwortete: „Der Eichbaum dort im Garten“.
Mumonkan


Alle Koans handeln davon, wie wir unserem Erkennen Ausdruck verleihen können, sollen. Die Umstände hierbei sind immer die gleichen: an uns wird eine Frage gestellt, die wir beantworten müssen. Sonst kommen wir „nicht weiter“.
Diese vielleicht etwas stilisierte Form der Übung bildet unser Leben in kondensierter Form ab: wir können nicht umhin, uns gewissen Fragen zu stellen und so lange nach einer Antwort zu suchen, bis wir sie gefunden haben. Wir können ferner nicht umhin, unserer Praxis Ausdruck zu verleihen.

Haben wir nach ein paar Jahren eine gewisse körperliche Verankerung im Zazen erreicht, ist es hier genauso wie andernorts möglich, mich in mein Kissen zu verstecken.
Ich kann dort alles tun: das Nicht-Denken denken, träumen, Wutausbrüche pflegen oder großartige Pläne zur Verbesserung unserer Erde schmieden - kaum einer wird hiervon etwas mitbekommen. Vielleicht werden wir ein wenig ruhiger. Immerhin.
Obschon im Zen gilt: „Sei still und sitze“ - für zwei Jahre, zwanzig Jahre, zweihundert Jahre ... reicht unser Streben weit über das blanke Sitzen, die heilsame Tiefenentspannung, hinaus.

Ohne Ausdruck, ohne sichtbare Verwirklichung dessen, was wir auf dem Kissen erfahren, bleibt unser Sitzen unreif, uninspiriert, leblos. Buddha - jener und jener - muss am Leben erhalten werden, muss sich zeigen. Das geht nur durch und mit uns. Sonst betreiben wir bestenfalls Enzyklopädie und sollten vielleicht besser Briefmarken sammeln, einen Baum pflanzen oder die Kinder zum Turnen begleiten.

Das Selbst hoch halten und die zahllosen Dinge beleuchten, ist Verblendung. Dass die zahllosen Dinge hervorkommen und das Selbst beleuchten, ist Erwachen.
Genjokoan


Keine Befreiung ohne Ausdruck. Freiheit und Ausdruck gehören zusammen wie „der Fuß voran und der Fuß hintan“. Sonst können weder die zahllosen Dinge hervorkommen noch das Selbst verschwinden.
Wir sollten beiden diese wundervolle Chance geben.

Gassho, Juen


hands

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