Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Hier, wo das Herz sitzt

Schau Dir jeden Weg ganz genau und sorgfältig an.
Versuche es mit ihm so oft, wie Du es für nötig hältst.
Dann stelle Dir selbst - und nur Dir allein - eine Frage.
Ich sage Dir, wie Sie lautet: "Hat dieser Weg ein Herz?"
Wenn ja, dann ist es ein guter Weg.
Wenn nicht, ist er nutzlos.


Jack Kornfield, „A Path With Heart“


Das ist eine interessante Frage. Sie wird sich jedem stellen, der sich auf eine spirituelle Reise begibt, früher oder später. Manchmal tritt sie auf, wenn wir in Schwierigkeiten geraten, es für uns ein wenig ungemütlich wird.
Es wird für uns oft dann unbequem, wenn wir innere Arbeit leisten. Dann zweifeln wir, suchen. Zunächst außen. Ist das, was ich hier tue, denn überhaupt gut für mich? Woher kann Hilfe kommen?
Von der Essenz des Weges.
Das Herz des Weges, einmal gefunden, kann uns immer weiterhelfen.

Die Frage kann sich auch stellen, wenn wir Dinge in der Sangha bemerken, die uns „herzlos“ erscheinen. Nun gibt es im Zen oft klare Worte, die uns zunächst herzlos vorkommen, aber, bei tiefem Schauen, voller Mitgefühl und Fürsorge sind.
Und es gibt Worte, die „bar des Herzens“ sind, welche nur um ihrer selbst willen wiederholt zu werden scheinen. Dann hat unser empfundener Herzensmangel weniger mit den Inhalten unserer Übung als mit ihrem Ausdruck, z.B. in bestimmten Formen oder im Verhalten seiner Praktizierenden zu tun.

Unser Weg muss ein Herz haben, sonst ist er nutzlos.

Hat dieser Weg überhaupt ein Herz?
Wir können seine Ikonographie betrachten, zum Beispiel an Hand von Abbildungen seines Gründers.
Wir können uns mit seinen Grundlagen beschäftigen: Vier Edle Wahrheiten, Achtfacher Pfad, Vier Grundlagen der Achtsamkeit, Sechs Paramitas, Sieben Faktoren des Erwachens, Sechzehn Richtlinien Ethischen Handelns.
Das ist hilfreich und oftmals bietet es eine ausreichende Gewissheit.
Aber wenn mich gerade tiefe Zweifel an meiner eigenen Übung und vielleicht sogar meiner Sangha insgesamt umtreiben, ist dies nur von begrenzter Wirksamkeit.
Wo ist dieses Herz der Schriften, das 2500 Jahre alte, JETZT?
Wie kommt es zu mir? Wir müssen es finden. Dem Weg muss Ausdruck verliehen werden, sonst bleibt er Geschichte.
Durch, mit, dem Herzen.
Wessen? Unserem.
Der Weg hat kein Herz, es gibt weder Herz noch Weg.
Unser Herz ist der Weg.

Darum bittet uns unsere Übung. Mit jedem Atemzug, mit jedem Zazen.
Mit jedem Wort. Mit jeder Tat. Andauernd.
Sonst war unsere gesamte Reise vergebens.

Welcher Wanderer
kann den reinsten Mond
in der Stille seines Herzens
spiegeln?


Ryokan


Gassho, Juen

blu

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