Wind & Wolken Sangha
eine Zen-Gemeinschaft in Schleswig-Holstein
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Roseburg

Am vergangenen Wochenende ging im schönen Haus der Stille in Roseburg ein Kurs zum Thema „Blüten fallen - ein Meditationsseminar vom Leben und vom Sterben“ zu Ende.

Der ausgebuchte Kurs mit Teilnehmern aus ganz Deutschland begann am Donnerstagabend und endete Sonntagmittag. Manche der Teilnehmer/innen kamen aus den helfenden Berufen, die meisten hatte keine Zen-Erfahrung, alle standen aktiv im Berufsleben. Wir freuten uns sehr darüber, die beiden Leiter der Flensburger Sangha begrüssen zu dürfen!

Bei schönstem Frühlingswetter bestanden die Elemente aus Zazen, Kinhin (unter hohen Bäumen im Park), Vorträgen, Rezitation, Gruppenarbeiten und einer kleinen kreativen Aufgabe. Umrahmt wurde das Ganze durch die bekannt gute Roseburger Küche und eingebettet wurden wir in ein schier endloses Vogelgezwitscher vom Morgengrauen an bis in die Abendstunden. Insgesamt war es, im Wechselspiel von Zeiten der Stille und des regen Austausches, ein sehr gelungenes langes Wochenende im Dharma.

Gassho, Juen

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Friedliches Verweilen im Frühling: der Edle Achtfache Pfad

Im Rahmen der diesjährigen Ango-Zeit, die vor zwei Wochen begonnen hat, beschäftigen wir uns mit dem Edlen Achtfachen Pfad. Als erste Lehrrede Buddhas, die zugleich auch die Vier Edlen Wahrheiten enthielt, hat er sich zeitlebens immer wieder darauf bezogen. Das liegt sicher auch daran, dass im Achtfachen Pfad die Ausgeglichenheit unserer Übung betont wird. Neben den Aspekten Meditation und Ethisches Verhalten geht es um das Sehen/Erkennen; Bereiche, die hier mit „Weisheit“ subsummiert werden.
Der Achtfache Pfad kann uns davor bewahren, zu einseitig in unserer Praxis zu werden. So sehr wir im Zen den Meditationsaspekt hochhalten und diese vornehmlich praktizieren: Meditationspraxis ist nicht identisch mit Dharmapraxis. Auf dem Weg in den Westen sind die beiden anderen Aspekte, Ethik und Weisheit, stellenweise etwas in den Hintergrund geraten zugunsten einer nicht selten etwas zu „ich“-lastigen Meditationspraxis.
In allen Teilen des Pfades ist das aus dem Sanskrit stammende Wort „samma“ enthalten, was so viel bedeutet wie: „angemessen“.
 
Meister Yunmen wurde gefragt: „Was ist die Essenz von Buddhas Leben?“
Meister Yunmen: „Eine angemessene Antwort“.

 
Der Achtfache Pfad lehrt uns, allen Aspekten unseres Lebens möglichst offen, flexibel, mitfühlend und weise begegnen zu können.
Wir können uns fragen: was bedeuten die einzelnen Glieder für unser eigenes Leben? Wie kann ich „rechte Sicht“, „recht Absicht“ in meinen Alltag umsetzen – nicht nur auf meinem schönen Kissen, sondern wie gelingt es mir insgesamt, mein Fühlen, Denken, Handeln dementsprechend auszurichten und einzubringen?
„Der Alltag“ bringt zwangsläufig den Gemeinschaftsaspekt mit sich und gerade darum geht es insbesondere auf dem Achtfachen Pfad: wie übe ich dies alles mit allen anderen? Oder, als Boddhisattva: „für alle anderen?“
Wie wir alle wissen, können die Dinge auf dem Kissen nach einer Weile ganz hübsch aussehen, doch in Relation zu unseren Lieben rechts und links, an unserer Arbeitsstelle, mit unseren Eltern, im Straßenverkehr...
Niemand hat je behauptet, dass dies leicht sei.
Und dennoch gibt es für uns Übende, wenn wir einmal den Mut aufgebracht haben, unser eigenes Leben zu betrachten sowie das Leben derer in unserer Umgebung, gar keine andere Wahl, als uns selbst und anderen möglichst mitfühlend und weise begegnen zu wollen.
 
Obschon ich
von Anfang an wusste:
Nichts auf dieser Welt ist von Dauer,
geht dennoch kein Augenblick vorbei
an dem meine Ärmel trocken bleiben.

 
Daigu Ryokan
Aus: „Hoher Himmel Großer Wind“, Edition Steinrich 2012

 
Hierfür dient der achtfache Pfad als ebenso schlichter wie traditioneller, als relativ geradliniger und bewährter Wegweiser – auf dem Kissen und weit darüber hinaus.
 
Gassho,
Juen



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über die Kiefer im Garten ...

Die US-Amerikanische Zen-Lehrerin Zenkei Blanche Hartman (1926-2016) lebte jahrzehntelang im ersten Stock des San Francisco Zen Centers in der Page Street.
In ihrem Flur hing folgendes Schild: „Du musst sein, was Du in der Welt sehen möchtest“.
 
Wie wir unsere Welt sehen und wahrnehmen, hängt unmittelbar von unserem Fokus bzw. unserer Aufmerksamkeit ab. Wir sind wie wir sehen.
 
Meistens erwarten wir es andersherum. „Die Welt“ soll uns lieben, sie soll geduldig und wohlgesonnen uns gegenüber sein. Das ist eine Art, unser Leben zu betrachten. Sie wird uns überwiegend nicht anhaltend glücklich machen.
 
Im Zen geht es darum, diese Pole zu hinterfragen und zwar auch dadurch, dass wir versuchen, die Eigenschaften, Gefühle, Sinneswahrnehmungen, Bewusstseinslagen, die wir „von dort“ erwarten, in uns selbst hervorzubringen. Freundlichkeit ist nichts, was nur einem Buddha vorbehalten ist. Wir alle können freundlich sein, so wie wir alle die Fähigkeiten besitzen, ein Bodhisattva zu sein.
Wir können den Lauf „der Welt“ nur geringfügig beeinflussen. Wir können aber sehr wohl den Lauf unserer Tage und unseres Miteinanders gestalten.
In einer Zeit, in der wir uns zunehmend der alleinigen Selbstverantwortlichkeit beugen, könnten wir auf dem Kissen erfahren:
Harmonie, Gemeinschaft und Glück entstehen nur in Beziehung. Und die fundamentalste hierbei ist jene, die sich zwischen unserem „draußen und drinnen“, unserer Innen- und Außenwelt abspielt. Sie wirkt am gesündesten und ist von großer Nachhaltigkeit, wenn wir sie möglichst fortwährend an beiden Enden bespielen.

Gassho,
Juen


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