Uji
15.02.2012 20:39
Manchmal bedeutet: Zeit ist Sein und alles Sein ist Zeit. Ein goldener, sechzehn Fuß hoher Körper eines Buddhas ist Zeit. Da er Zeit ist, besitzt er den strahlend goldenen Glanz der Zeit. Übe und erlerne dies anhand der zwölf Zeitabschnitte unserer Tage. Drei Köpfe und acht Arme sind Zeit, daher identisch mit unseren zwölf Tageszeiten.
Dogen Zenji, Uji
Der leuchtende Glanz der Zeit - die Schönheit und Würde eines jeden Moments - als Buddha. So wie Dogen in Mahaprajnaparamita, seiner Ausführung zum Herzsutra, schreibt: „alle Wesen und alles insgesamt sind prajna“. Das Licht der Weisheit. Alles ist Prajna, hat Schönheit und Würde.
Dies zu lernen und zu üben ist nicht leicht. Nicht immer sehen wir die Schönheit und Würde jedes Augenblicks, meistens sind es nur bestimmte Momente, die wir genießen. Schwierige Zeiten oder langweilige Abschnitte, Tage, in denen „nichts Besonderes“ passiert, erscheinen uns weniger glanzvoll.
Aus der Perspektive eines Bodhisattvas, der alles und jedes als Prajna betrachtet, ist das ein bisschen einseitig. Diejenigen, die stilles Erhellen suchen, schauen auch in den dunklen Ecken nach ...
Wir sind dazu aufgerufen, in den „zwölf Stunden des Tages“ uns genau darin zu üben. Wir brauchen Weisheit, um die Gleichheit aller Wesen und aller Zeiten zu sehen.
So lange aber unser Bewusstsein unter überwiegender Kontrolle unseres Egos steht, können wir nicht klar sehen. Alles, was wir dann sehen ist: gut/schlecht, schön/nicht schön, ich mag das/ ich mag das nicht.
Wenn wir uns aber der Weisheit Buddhas gewahr werden, dann können wir den leuchtenden Glanz der Zeit immer sehen, in jedem Augenblick. Oder es zumindest versuchen.
Zahllose Lebewesen –
ich gelobe, alle zu retten.
Endlos: täuschende Gedanken –
ich gelobe, alle zu lassen.
Unzählbare Dharma-Tore –
ich gelobe, alle zu durchschreiten.
Unübertroffen: Buddhas Weg –
ich gelobe, ihn zu verwirklichen.
Was zählt, ist der ehrliche, wiederholte Versuch. Wiederholt, weil wir nur so ankommen können und ehrlich, weil wir wissen müssen, wann wir wieder von vorne beginnen sollten.
So wie zu unserer Übung ein lächelnder friedvoller Buddha gehört und auch jener Buddha mit den drei Köpfen und acht Armen, der uns energisch in der Übung hält, sind schwierige Zeiten wichtig. Auch deswegen sind sie goldene Zeiten, weil wir genauer hinschauen. Das macht sie so lebendig. Sommertage sind wunderbar und kostbar. Meistens denken wir dann nicht viel. Und schon sind sie wieder vorbei!
In frostigen Augenblicken hören wir besser zu, wir hinterfragen, wir halten inne, wir ändern unsere Perspektive. Gegenwind, Eiseskälte und dunkle Stunden können uns oft ein besserer Lehrer sein - für das Er- und Durchleben dieser Tage sowie für das Morgenlicht danach.
Gassho, Juen
Dogen Zenji, Uji
Der leuchtende Glanz der Zeit - die Schönheit und Würde eines jeden Moments - als Buddha. So wie Dogen in Mahaprajnaparamita, seiner Ausführung zum Herzsutra, schreibt: „alle Wesen und alles insgesamt sind prajna“. Das Licht der Weisheit. Alles ist Prajna, hat Schönheit und Würde.
Dies zu lernen und zu üben ist nicht leicht. Nicht immer sehen wir die Schönheit und Würde jedes Augenblicks, meistens sind es nur bestimmte Momente, die wir genießen. Schwierige Zeiten oder langweilige Abschnitte, Tage, in denen „nichts Besonderes“ passiert, erscheinen uns weniger glanzvoll.
Aus der Perspektive eines Bodhisattvas, der alles und jedes als Prajna betrachtet, ist das ein bisschen einseitig. Diejenigen, die stilles Erhellen suchen, schauen auch in den dunklen Ecken nach ...
Wir sind dazu aufgerufen, in den „zwölf Stunden des Tages“ uns genau darin zu üben. Wir brauchen Weisheit, um die Gleichheit aller Wesen und aller Zeiten zu sehen.
So lange aber unser Bewusstsein unter überwiegender Kontrolle unseres Egos steht, können wir nicht klar sehen. Alles, was wir dann sehen ist: gut/schlecht, schön/nicht schön, ich mag das/ ich mag das nicht.
Wenn wir uns aber der Weisheit Buddhas gewahr werden, dann können wir den leuchtenden Glanz der Zeit immer sehen, in jedem Augenblick. Oder es zumindest versuchen.
Zahllose Lebewesen –
ich gelobe, alle zu retten.
Endlos: täuschende Gedanken –
ich gelobe, alle zu lassen.
Unzählbare Dharma-Tore –
ich gelobe, alle zu durchschreiten.
Unübertroffen: Buddhas Weg –
ich gelobe, ihn zu verwirklichen.
Was zählt, ist der ehrliche, wiederholte Versuch. Wiederholt, weil wir nur so ankommen können und ehrlich, weil wir wissen müssen, wann wir wieder von vorne beginnen sollten.
So wie zu unserer Übung ein lächelnder friedvoller Buddha gehört und auch jener Buddha mit den drei Köpfen und acht Armen, der uns energisch in der Übung hält, sind schwierige Zeiten wichtig. Auch deswegen sind sie goldene Zeiten, weil wir genauer hinschauen. Das macht sie so lebendig. Sommertage sind wunderbar und kostbar. Meistens denken wir dann nicht viel. Und schon sind sie wieder vorbei!
In frostigen Augenblicken hören wir besser zu, wir hinterfragen, wir halten inne, wir ändern unsere Perspektive. Gegenwind, Eiseskälte und dunkle Stunden können uns oft ein besserer Lehrer sein - für das Er- und Durchleben dieser Tage sowie für das Morgenlicht danach.
Gassho, Juen



Comments
Verwandlung: Zen in Eckernförde
23.01.2012 00:15
Am vergangenen Wochenende fand in Eckernförde, von Kazuaki liebevoll „Eggtown“ genannt, ein Tag der besonderen offenen Tür statt.
Besonders, weil auf ehemals kriegerischem Gelände.
Besonders, weil es in unserer Zeit nicht selbstverständlich ist, im Rahmen von Umbau und Umwidmungsarbeiten an etwas wie einen „Raum der Stille“ zu denken. Und besonders, weil an einem wunderschönen hellen Wintertag viele Besucher den Weg dorthin fanden.
Zugegeben: das Gelände ist gewöhnungsbedürftig. Eine Kaserne ist und bleibt eine Kaserne. Es wird lange Zeit und viel gute Energie benötigen, diesen Ort zu befrieden. Umso mutiger, jetzt bereits damit anzufangen, wo sich noch weite Teile des riesigen Geländes im Umbau befinden.
Der Raum ist einfach, nicht groß und vor allem der Weg dorthin kostet etwas Überwindung: Linoleumböden, ein sachliches Treppenhaus, Neonlampen, der Kasernenvorplatz.
Aber es ist still dort und wir haben somit eine weitere Möglichkeit, zu üben. Eine nicht so leichte Anreise ist auch symbolisch für unseren Weg.
Überall üben zu können, im romantischen Vorgarten und im Rotklinkerbunker, mit der Leichtigkeit einer friedvollen Umgebung und der Schwere eines belasteten Raumes - auch das ist unsere Aufgabe.
Die erste Einführung in die Zen-Meditation im Raum der Stille von Carlshöhe findet statt am Sonntag, 25. März, von 10 bis 13 Uhr.
Anmeldungen bitte unter folgender Email-Adresse:
windundwolken@gmail.com
Juen
Besonders, weil auf ehemals kriegerischem Gelände.
Besonders, weil es in unserer Zeit nicht selbstverständlich ist, im Rahmen von Umbau und Umwidmungsarbeiten an etwas wie einen „Raum der Stille“ zu denken. Und besonders, weil an einem wunderschönen hellen Wintertag viele Besucher den Weg dorthin fanden.
Zugegeben: das Gelände ist gewöhnungsbedürftig. Eine Kaserne ist und bleibt eine Kaserne. Es wird lange Zeit und viel gute Energie benötigen, diesen Ort zu befrieden. Umso mutiger, jetzt bereits damit anzufangen, wo sich noch weite Teile des riesigen Geländes im Umbau befinden.
Der Raum ist einfach, nicht groß und vor allem der Weg dorthin kostet etwas Überwindung: Linoleumböden, ein sachliches Treppenhaus, Neonlampen, der Kasernenvorplatz.
Aber es ist still dort und wir haben somit eine weitere Möglichkeit, zu üben. Eine nicht so leichte Anreise ist auch symbolisch für unseren Weg.
Überall üben zu können, im romantischen Vorgarten und im Rotklinkerbunker, mit der Leichtigkeit einer friedvollen Umgebung und der Schwere eines belasteten Raumes - auch das ist unsere Aufgabe.
Die erste Einführung in die Zen-Meditation im Raum der Stille von Carlshöhe findet statt am Sonntag, 25. März, von 10 bis 13 Uhr.
Anmeldungen bitte unter folgender Email-Adresse:
windundwolken@gmail.com
Juen


Heute neu: Ein... Aus...
15.01.2012 21:42
„Manchmal ist der Gedanke erlangt, aber das Wort fehlt.
Manchmal ist das Wort vorhanden, aber das Denken fehlt.
Manchmal sind Wort und Gedanke beide vorhanden.
Manchmal fehlen sowohl das Wort als auch das Denken“.
Dogen, Uji
Im Johanniskloster haben wir uns am vergangenen Freitag auch über unsere Atmung unterhalten, ausgehend von einem Text von Shunryu Suzuki Roshi, in welchem er von absichtsloser Atmung spricht. Suzuki spricht vom Einatmen „ohne Mühe“ und davon, hierin ganz natürlich zu einer „gewissen Farbe und Form“ zu finden. Er spricht vom Ausatmen als einem Vorgang, während dessen wir uns „auflösen“.
Manchmal auf einem riesig hohen Berggipfel stehen. Manchmal am Grund des tiefsten Meeresgrundes gehen. So beginnt unsere Übersetzung von Dogens Uji - Sein-Zeit.
Manchmal sehe ich. Das ist meine Aufgabe. Möglichst genau, möglichst ungehindert, möglichst präzise und von meiner eigenen Erfahrung ausgehend, erlange ich einen Rundumblick. Manchmal auch nur einen Viertelumblick, aber ich übe daran. Dazu ist es notwendig, dass ich Unterscheidungen treffe, denn ohne sie kann ich nichts erkennen.
„Der große Weg ist gar nicht schwer für jene, die keine Auswahl treffen. Wenn Vorlieben verlassen werden, liegt der Weg klar und unverhüllt vor Dir“ - heißt es im Shinjinmei von Zen-Meister Sosan (um 600).
Nun die große Frage: wie kann ich sehen, unterscheiden, ohne eine Vorliebe oder Abneigung unmittelbar, meist reflexartig, anzuschließen? Hierauf gibt es viele mögliche Antworten. Die meisten haben etwas mit Verlangsamung, mit Zuhören und Lauschen zu tun.
Passt mein Urteil mit meiner Wahrnehmung zusammen?
Was ist überhaupt meine Wahrnehmung?
Wie geschieht sie?
Inwiefern verändert sie sich durch meine Bewertung?
Atme ich lieber ein oder aus?
Wenn ich meinen Atem verfolge, liegt meine Betonung auf dem Ein-, oder Ausatem?
...
Oft messen wir dem Einatmen eine höhere Bedeutung bei. Abgeben scheint schwerer. Auflösen kann beängstigend wirken, Sterben ist bedrohlich. Die Erkenntnis, dass wir leider nicht in der Lage sind, uns „aus eigener Kraft“ am Leben zu erhalten, mag zunächst schmerzlich sein. Später irgendwann, bedeutet sie eine große Erleichterung. Wir müssen nicht mehr krampfhaft nach Form und Leben Ausschau halten.
Wir können einfach verschwinden, uns ausleihen an die Große Weite. Bis zum nächsten Einatem.
Gassho, Juen
Manchmal ist das Wort vorhanden, aber das Denken fehlt.
Manchmal sind Wort und Gedanke beide vorhanden.
Manchmal fehlen sowohl das Wort als auch das Denken“.
Dogen, Uji
Im Johanniskloster haben wir uns am vergangenen Freitag auch über unsere Atmung unterhalten, ausgehend von einem Text von Shunryu Suzuki Roshi, in welchem er von absichtsloser Atmung spricht. Suzuki spricht vom Einatmen „ohne Mühe“ und davon, hierin ganz natürlich zu einer „gewissen Farbe und Form“ zu finden. Er spricht vom Ausatmen als einem Vorgang, während dessen wir uns „auflösen“.
Manchmal auf einem riesig hohen Berggipfel stehen. Manchmal am Grund des tiefsten Meeresgrundes gehen. So beginnt unsere Übersetzung von Dogens Uji - Sein-Zeit.
Manchmal sehe ich. Das ist meine Aufgabe. Möglichst genau, möglichst ungehindert, möglichst präzise und von meiner eigenen Erfahrung ausgehend, erlange ich einen Rundumblick. Manchmal auch nur einen Viertelumblick, aber ich übe daran. Dazu ist es notwendig, dass ich Unterscheidungen treffe, denn ohne sie kann ich nichts erkennen.
„Der große Weg ist gar nicht schwer für jene, die keine Auswahl treffen. Wenn Vorlieben verlassen werden, liegt der Weg klar und unverhüllt vor Dir“ - heißt es im Shinjinmei von Zen-Meister Sosan (um 600).
Nun die große Frage: wie kann ich sehen, unterscheiden, ohne eine Vorliebe oder Abneigung unmittelbar, meist reflexartig, anzuschließen? Hierauf gibt es viele mögliche Antworten. Die meisten haben etwas mit Verlangsamung, mit Zuhören und Lauschen zu tun.
Passt mein Urteil mit meiner Wahrnehmung zusammen?
Was ist überhaupt meine Wahrnehmung?
Wie geschieht sie?
Inwiefern verändert sie sich durch meine Bewertung?
Atme ich lieber ein oder aus?
Wenn ich meinen Atem verfolge, liegt meine Betonung auf dem Ein-, oder Ausatem?
...
Oft messen wir dem Einatmen eine höhere Bedeutung bei. Abgeben scheint schwerer. Auflösen kann beängstigend wirken, Sterben ist bedrohlich. Die Erkenntnis, dass wir leider nicht in der Lage sind, uns „aus eigener Kraft“ am Leben zu erhalten, mag zunächst schmerzlich sein. Später irgendwann, bedeutet sie eine große Erleichterung. Wir müssen nicht mehr krampfhaft nach Form und Leben Ausschau halten.
Wir können einfach verschwinden, uns ausleihen an die Große Weite. Bis zum nächsten Einatem.
Gassho, Juen




